Hochsensibilität allgemeinWas ist Hochsensibilität

Grundtypen der Hochsensibilität

Typen der Hochsensibilitaet

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Jutta Administrator
Mein Name ist Jutta Jorzik-Oels, als Berater und Coach bin ich spezialisiert auf Hochsensibilität. Ich helfe hochsensiblen Menschen in Krisensituationen.

Hochsensible Menschen unterscheiden sich oft in der Art ihrer Hochsensibilität so sehr voneinander, dass es sinnvoll ist, die diversen Typen von Hochsensibilität zu differenzieren.

Elaine Aron unterschied drei Gruppen von Hochsensibilität:

– Sensorische Hochsensibilität

– Emotionale Hochsensibilität

– Kognitive Hochsensibilität

Es gibt allerdings noch weitere Gruppen:

– Geistige Hochsensibilität

-Ethische Hochsensibilität

Diese  Grundtypen erscheinen in sehr unterschiedlichem Ausmass bei Hochsensiblen. Viele Hochsensible gehören zu allen 5 Typen, einige nur zu zwei, drei oder vier. Als sicher annehmen kann man, dass alle Hochsensiblen emotional hochsensibel  und in wenigstens einem Bereich sensorisch hochsensibel sind.

Ein Mensch, der sich ausschliesslich in nur einem dieser beiden Grundtypen wiederfindet, ist mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht hochsensibel! Vor allem die sensorische Hochsensitivität tritt sehr häufig als Symptomatik eines durch bestimmte Ursachen überreizten Nervensystems auf.  

Lies auch:   Hochsensibel oder hochempfindlich?

Nicht ganz so klar  ist es mit der kognitiven Hochsensibilität. Möglicherweise ist sie bei vielen nicht so stark entwickelt;  oder sie ist bewusst oder unbewusst abtrainiert worden, um sich in der Arbeit- und Lernwelt besser zurechtzufinden. Denn linear denken können alle Hochsensiblen ebenfalls.

Die geistige Hochsensibilität ist allen hochsensiblen Kindern zu eigen! Es ist nicht sicher, ob sie tatsächlich bei einigen nach und nach verschwindet; oder ob sie auch „abtrainiert“ wird durch fehlendes Verständnis der Erwachsenen.

Die ethische Hochsensibilität kommt bei jedem Hochsensiblen vor, mit dem ich jemals gesprochen habe; weswegen ich sie hier als eigenen Untertyp erwähne.

 

Sensorische Hochsensibilität

Bei der sensorischen Hochsensibilität sind selten alle Sinnesorgane gleichermassen betroffen; meistens zwei oder drei. Bei einigen ist die sensorische Hochsensibilität insgesamt so schwach ausgeprägt, dass sie von den Betroffenen kaum als solche empfunden wird. Andererseits wird Hochsensibilität oft ausschliesslich als  sensorische Hochsensibilität interpretiert.

Die Wahrnehmungen sind bei sensorisch Hochsensiblen feiner und wesentlich differenzierter als bei Normalsensiblen. Die hohe Erregbarkeit und daraus folgende schnelle Überreizung unter der viele Hochsensible leiden, ist auch der Grund, dass leider viele Menschen mit sensorischer Hochsensibilität lieber heute als morgen lieber normalsensibel wären.

Akustische Sensitivität

Die meisten sensorisch-Hochsensiblen sind akustisch-sensitiv. Das heisst jedoch nicht, dass diese Menschen besonders lärmempfindlich sind! Viele Hochsensible hören gerne Musik in ohrenbetäubender Lautstärke! Beispielsweise kann ein Hochsensibler u.U. gut arbeiten, während durch das geöffnete Fenster ständig Baustellenlärm hereindringt oder ab und zu der mal mehr, mal weniger extreme Lärm eines Fussballplatzes in der Nähe. Dagegen kann das leise Brummen einer Stubenfliege einen fast um den Verstand bringen. Interessanterweise gibt es offenbar einige Geräusche, die fast alle akustisch-sensitiven Hochsensiblen unerträglich finden: Zum Beispiel das leise Summen einer Leuchtstoffröhre, das von den meisten Normalsensiblen überhaupt nicht wahrgenommen wird. Es scheint so zu sein, dass einige sich unregelmässig wiederholende Geräusche in bestimmten Frequenzen ganz unerträglich sind.

Visuelle Sensitivität

Visuell hochsensible Menschen reagieren vor allem auf Licht: Viele ertragen keine direkte Sonneneinstrahlung, sind sehr schnell geblendet, mögen generell kein helles Licht. Sie fühlen sich am wohlsten in Räumen, in denen sich das einfallende Licht durch Jalousien regulieren lässt und gehen zu allen Jahreszeiten auch bei bedecktem Himmel nur mit Sonnenbrille nach draussen. Bei anderen ist es dagegen genau umgekehrt; sie brauchen eine bestimmte Menge Tageslicht bzw. direktes Sonnenlicht, um sich wohl zu fühlen. Einige reagieren sehr stark auf Unruhe in ihrem Gesichtsfeld wie hektische Bewegungen oder flackernde Lampen.

 

sensorische Hochsensibilität
sensorische Hochsensibilität

Olfaktorische Sensitivität

Bei manchen Hochsensiblen ist der Geruchssinn fast so empfindlich wie bei Tieren. Sie können die Stimmung eines anderen Menschen riechen; beispielsweise Angst oder Stress. Sie wittern Elektrizität in der Luft lange vor Ausbruch eines Gewitters. Einige können problemlos an der Garderobe Mäntel und Jacken durch den anhaftenden natürlichen Körpergeruch ihren Besitzern zuordnen.

Gustatorische Sensitivität

Einige Hochsensible schmecken schon Tage früher, dass Nahrungsmittel nicht mehr 100 prozentig einwandfrei sind. Sie schmecken winzigste Mengen an Schimmelsporen oder Fäulnisbakterien heraus, lange bevor irgend jemand sonst etwas bemerkt oder das Brot oder die Frucht Aussehen oder Geruch verändert.
Insgesamt spielt der Geschmackssinn jedoch eher eine untergeordnete Rolle bei Hochsensibilität.

Taktile Sensitivität

Bei einigen Hochsensiblen ist die Haut das mit Abstand empfindlichste Sinnesorgan. Die Sensitivität bezieht sich unter anderem auf direkte Reize wie Nähte und Etiketten in der Kleidung und kann extreme Ausmasse annehmen. Eltern hochsensibler Kinder berichten, dass ihre Kinder keine Jeans tragen, weil bei den dicken Stoffen die Nähte an der Haut scheuern. Andere tragen keine Strümpfe und keine Unterwäsche; oder nur Unterhosen, die keine Nähte haben.

Jeder winzige Fremdkörper wird wahrgenommen und als störend empfunden; zum Beispiel eine ausgefallene Wimper, die in den Halsausschnitt gerutscht ist. Eine winzige Daune, die sich durch das Inlett und den Bezug gearbeitet hat, wird zum Folterwerkzeug. (Ein klassisches Beispiel in der Literatur ist die Prinzessin auf der Erbse.) Bei Kindern ist das Fremdkörpergefühl meist auch im Mund stark ausgeprägt: Püriertes Essen muss wirklich ganz fein sein; findet sich ein einziges winziges Stückchen darin, wird das Essen verweigert.

Die meisten taktil-Hochsensitiven reagieren ausserdem sehr stark auf Luftbewegungen. Sie vertragen keinen Wind; erst recht  keinen Zug im Raum. Der ständige Luftzug von Klimaanlagen ist ein absolutes No-Go.

Zur taktilen Sensitivität gehört das erhöhte Schmerzempfinden durch äussere Einwirkungen (ärztliche Untersuchungen, Stösse, Blutentnahme). Hochsensible Kinder empfinden manchmal Schmerzen beim Nägelschneiden; manchmal sogar beim Haare schneiden. Einige Hochsensible nehmen auch Bewegungen innerhalb des Körpers wahr, welche bei Normalsensiblen vollkommen ausserhalb des bewussten Bereichs liegen; beispielsweise das Kippen der Augäpfel nach oben beim Einschlafen.

Thermische Sensitivität

Die hochsensible Reaktion auf Kälte- und Wärmereize ist eigentlich ebenfalls ein Bereich der taktilen Sensitivität. Sie ist aber so häufig, dass ich sie extra erwähne. Die meisten Hochsensiblen mögen und vertragen keine Hitze und keine Kälte. Die Wohlfühltemperatur liegt meist bei 22 – 24 Grad; schon Abweichungen von nur einem Grad werden als viel zu kalt oder viel zu heiss empfunden. Dasselbe gilt auch für die Temperatur des Essens: Es darf keinesfalls zu heiss oder zu kalt sein; einige mögen am liebsten alle Speisen lauwarm, sogar Eis muss vor dem Verzehr halb geschmolzen sein.

 

Emotionale Hochsensibilität

Hochsensible nehmen ihre Gefühle sehr viel intensiver wahr als Normalsensible. Jedes emotionale Erlebnis wirkt sehr viel tiefer und wird länger bearbeitet. Sie zeichnen sich ausserdem durch sehr hohe emotionale Empathie aus.

Die Gefühle anderer Menschen und auch der Tiere werden mitempfunden; oft in einer solchen Intensität, dass Hochsensible manchmal nicht unterscheiden können, ob dieses Gefühl ihr ureigenes ist, oder ob es übernommen wurde.

Diese starke Empathie ist ein Grund bei vielen Hochsensiblen, ihrer Hochsensibilität ablehnend gegenüber zu stehen.

 

Kognitive Hochsensibilität

Gedankennetzwek
ein perfektes Netzwerk

Mit kognitiver Hochsensibilität wird die Art des lateralen Denkens bezeichnet. Lateral bedeutet quer; unter lateralem Denken versteht man, dass nicht unbedingt einem Gedanken linear gefolgt wird, sondern dass assoziiert wird und an andere Gedanken angeknüpft wird.

Passender finde ich den Begriff radiäres Denken: Radiär – von einem Mittelpunkt sternförmig in alle Richtungen. Das heisst, alles wird mit allem verknüpft. Jeder neue Gedanke wird verbunden mit dem, was man früher gelernt und gedacht hat; es entstehen so ganz neue Muster. Hochsensible denken in Bildern; sie sehen dieses Gedankengeflecht bildlich.

Daraus folgt das andere Lernverhalten Hochsensibler: Das Lernen geschieht immer vom Ganzen zum Detail. Man muss eine Vorstellung, ein Bild des Ganzen haben, um von da aus Schritt für Schritt zum Detail zu kommen. Die Vermittlung von Lehrstoff an Schulen geht in der Regel vom Detail aus und bereitet hochsensiblen Kindern oft Probleme.

Kognitive Hochsensibilität wird oft gleichgesetzt mit Hochbegabung; ist aber völlig unabhängig von der Intelligenz. So sind alle mir bekannten geistig-behinderten Hochsensiblen auch kognitiv hochsensibel.

 

Geistige Hochsensibilität*

*von einigen Therapeuten auch als „Hochsensitivität“ bezeichnet im Gegensatz zu den anderen Grundtypen.

Geistig hochsensible Menschen haben sogenannte übersinnliche Wahrnehmungen ausserhalb des physischen Sinnesbereiches. Sie nehmen Erscheinungen der ätherischen Welt wahr. Die meisten von ihnen nehmen Wesenheiten wahr, welche nur einen ätherischen, aber keinen physischen Leib haben; wie Elementarwesen und Engel.

Viele nehmen die Aura anderer Menschen wahr. Die energetische Wahrnehmung geht weit über die emotionale Empathie hinaus: Sie empfangen energetische Schwingungen von allen Anwesenden aus der gesamten Umgebung. Sie spüren verborgene Empfindungen fremder Menschen, welche denjenigen selbst nicht bewusst sind, da diese sie unterdrückt haben.

Ausserdem haben sie den „sechsten Sinn“: Sie wissen oder ahnen bestimmte Ereignisse im Voraus; manche träumen gewisse Geschehen ganz detailliert Tage, Wochen oder in Einzelfällen auch Jahre, bevor diese Ereignisse genau so eintreffen.

Warum findet die geistige Hochsensibilität bei Elaine Aron keine Erwähnung?
Aron muss als Wissenschaftlerin wissenschaftliche Standards einhalten, damit ihre Forschungsarbeit in wissenschaftlichen Kreisen anerkannt wird. Die Realität sämtlicher Wahrnehmungen, die nicht über die körperlich-physischen Sinne geschieht, lässt sich mit den Methoden der Naturwissenschaft nicht nachweisen und wird daher von den meisten Naturwissenschaftlern ins Reich der Fabeln verwiesen.

 

Ethische Hochsensibilität

So gut wie alle Hochsensiblen haben eine ausserordentlich feine Wahrnehmung für gut und nicht gut. Sie haben ein stark ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden, was viele oft in soziale Schwierigkeiten bringt, da sie zu Ungerechtigkeiten nicht schweigen können. Sie sind sehr idealistisch und pflichtbewusst oft bis zur Selbstaufgabe. Einige Hochsensible haben so etwas wie einen Wahrheitssinn; sie spüren sehr deutlich, ob jemand lügt oder die Wahrheit spricht.

 

Ergänzung

Alle sind mit Allen verbunden
Mit Allen verbunden

Unabhängig von den beschriebenen Grundtypen gilt bei Hochsensibilität:

Hochsensibilität bezieht sich auf Wahrnehmen, Fühlen und Denken. Diese drei Bereiche sind bei allen Hochsensiblen eng miteinander verknüpft.

Hochsensible nehmen nicht unbedingt mehr, sondern vor allem anders wahr als Normalsensible.

Zuerst entsteht ein Gesamteindruck vom Ganzen, dann differenziert sich dieser Eindruck in immer mehr Einzelheiten und kleinste Feinheiten.

Zu einer Überreizung scheint es vor allem dann zu kommen, wenn gewisse Einzelheiten störend in diesem Gesamtbild hervortreten.

Sämtliche Eindrücke – alle Wahrnehmungen, Gedanken und Gefühle wirken viel intensiver als bei Neurotypen. Die Verarbeitung all dieser Eindrücke ist wesentlich gründlicher und langwieriger.

Alle neuen Eindrücken, sei es eine Wahrnehmung, ein Gefühl oder ein Gedanke, werden mit früheren Erlebnissen verknüpft und in Bezug gesetzt.

Durch die Vernetzung aller sinnlichen, emotionalen, gedanklichen und evtl geistigen Wahrnehmungen fühlen hochsensible Menschen eine starke Verbindung zu Allen und allem.

Das kann sehr viel Kraft kosten. Aus dem Grund brauchen Hochsensible in der Regel mehr Ruhe, mehr Zeit für sich, damit diese Verarbeitung stattfinden kann. Wenn dieser Verarbeitungsprozess gestört wird, weil die Ruhephasen fehlen, kommt es schnell zu einer Überreizung des Nervensystems. Dann ist jeder zusätzliche Eindruck zu viel, gleich ob emotionaler, gedanklicher oder sinnenhafter Natur.

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2 Gedanken zu „Grundtypen der Hochsensibilität

  1. Der Beitrag gefällt mir, er bringt vieles auf den Punkt, gibt zunächst die Übersicht, geht dann ins Detail und klärt vor allem auch den Begriff Hochsensitivität. Da gibt es ja manchmal Verwirrung. Hier kann sich jede (r) ein Bild machen und schauen, was auf sie/ihn zutrifft.

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