Hier kann man sich verlaufen

Einige weitverbreitete Irrtümer über Hochsensibilität – und einige Fakten

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Hochsensibilität, Hochsensibilität im Alltag

Oh je– die neue Kollegin ist hochsensibel? Oder doch nicht? Jedenfalls hat sie schon am ersten Tag gebeten, ob man wohl das Radio ausstellen könnte, sie kann sich so schlecht konzentrieren. Als nächstes hat sie die Jalousien runtergelassen, weil die Sonne so stört. Eine andere Kollegin meinte, die ist bestimmt hs….Und dich beschleicht ein mulmiges Gefühl…. Du hast einige hochsensible Menschen im Bekanntenkreis, die sind so anstrengend – immer fordern sie Rücksichtnahme!  Du bist ja ein sehr rücksichtsvoller Mensch, aber,,, warum  nimmt die neue Kollegin nicht Rücksicht auf deinen Wunsch nach Sonnenlicht? Ganz klar, sie ist HS, und HSM vertragen nun mal kein grelles Licht, das ist ja bekannt. Du denkst oft, bist du nicht auch hochsensibel?  Aber nicht so wie die anderen! Und jetzt leidest du unter der neuen Kollegin. Fast immer sind die Jalousien runtergelassen, das ist beklemmend, du magst es gerade, wenn die Sonne in den Raum scheint. Und du vermisst auch das Radio im Hintergrund, das hat dich nicht gestört, sondern eher inspiriert…

 

Irrtum 1: Hochsensibel zu sein heisst, hochsensibel auf äußere Sinnesreize zu reagieren

Sprich, viele akustische Eindrücke, direktes Licht; aber auch Gerüche, sowie typischerweise die Wirkung von Kaffee, Tee und Wein wesentlich schlechter  zu vertragen als das Gros der Menschheit.

Das stimmt nicht! Richtig ist, dass das zwar für viele Hochsensible zutrifft. Aber für viele eben nicht! Es gibt viele HSM, die mit einem Besuch im Einkaufszentrum keine Probleme haben. Ebenso wie es viele ganz normal Sensible gibt, die nach einem Shopping Tag in der City fix und fertig sind.  Es gibt viele HSM, die es lieben, wenn ihnen die Sonne direkt in die Augen scheint – und ebenso viele ganz normal bis weniger sensible, die sofort das Zimmer verdunkeln, wenn ein Sonnenstrahl den Tisch trifft.

Und damit sind wir bei

 

Irrtum 2: Jeder, der extrem sensibel auf äußere Sinnesreize reagiert, ist hochsensibel

Wahrscheinlich ist dies der folgenschwerste Irrtum.


Hochsensibilität ist  nach wie vor kein wissenschaftlich anerkanntes Konstrukt. Dass Hochsensibilität überhaupt ein Thema wurde, verdanken wir Elaine Aron, die auch den ersten Test entwickelte mit gerade mal 27 Fragen! – Deren erste lautet: ”Ich fühle mich leicht überwältigt durch starke Sinneseindrücke”. Frage Nr.6 ist dann nach der Wirkung des Koffeins. (Ich selbst kenne eine ganze Reihe HSM, die genau wie ich Kaffee-Junkies sind).  Arons Konstrukt wurde Mitte der 90er Jahre veröffentlicht. Für viele Psychologen, die sich mit HS beschäftigen, ist der Arontest noch immer maßgeblich, obwohl man nur mit ”ja” oder ”nein” antworten kann. Alle neueren Tests wurden mehr oder weniger aus Arons Test abgeleitet, haben – soweit mir bekannt – alle nur um die 30 Fragen, aber man kann differenzieren in den Antworten zwischen ”sehr stark” bis ”überhaupt nicht”. Allerdings: beantwortet man nur einige, wenige Fragen mit ”Sehr stark”, gilt man als hs.

Und damit fangen die Probleme an. Damit kommen wir zum nächsten Punkt

 

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Irrtum 3: HSM sind besonders rücksichtsvolle, liebevolle Menschen.  

Stimmt nicht! Sehr sensibel heißt nicht zwangsläufig sehr mitfühlend und rücksichtsvoll. (Sind alle Empathen hochsensibel?)

 

Irrtum 4: HSM ticken alle irgendwie ähnlich

Wieso sollten sie? Wir sind alle Menschen, und alle individuell. Wieso sollten HSM weniger individuell sein als Normalsensible oder auch weniger sensible?  Diese irrige Annahme stammt evtl. daher, dass HS teilweise immer noch als Krankheit oder Störung betrachtet wird.  ( Hochsensibel? Oder Hochempfindlich?)Tatsächlich erleichtern einige Begriffe aus der medizinischen Diagnostik das Verständnis: Hochsensibilität ist ein Syndrom; das heißt: ein Symptomkomplex. Dieser Begriff wird in der Medizin gern angewendet bei Krankheiten, die sich mit naturwissenschaftlichen Methoden nicht nachweisen lässt, wie z.B. das Fatigue Syndrom oder die Fibromyalgie.  Psychologie ist  eben keine Naturwissenschaft, sondern eine empirische Wissenschaft, weshalb sie von einigen Naturwissenschaftlern gar nicht als Wissenschaft anerkannt wird. Was physikalisch oder chemisch, sprich, mit materiellen Methoden, nicht nachgewiesen werden kann, gilt unter Naturwissenschaftlern als nicht vorhanden.  Und das macht es so schwierig für die Psychologen, die am Thema Hochsensiblität forschen, zum Teil sehr unterschiedliche Ansätze haben und sich auch teilweise stark widersprechen. Einige bemühen sich, so naturwissenschaftlich wie möglich zu arbeiten.Sie erklären Hochsensibilität damit,  dass der Thalamus Hochsensibler weniger filtert und mehr Reize durchlässt. Damit sind wir wieder beim Thema äußere Sinnesreize, deren Weiterleitung man ganz gut messen kann. Geht es um Mitgefühl, gar um ”Energien” zwischen Menschen, oder, zwischen Menschen und Tieren – wird das als nicht zugehörig erklärt oder als die individuelle Reaktion auf einen Sinnesreiz: eine neuronale Verschaltung. Geht es sogar um Hochsensible mit noch feineren Wahrnehmungen, die landläufig in den spirituellen Bereich gehören, wird das radikal abgelehnt aus Angst, überhaupt nicht mehr ernstgenommen zu werden in wissenschaftlichen Kreisen. Schön. Und was zeigt das nun tatsächlich? Es kann also nachgewiesen werden, dass manche Menschen empfindlicher reagieren auf äußere Sinnesreize. Nicht mehr -und nicht weniger.

 

Kommen wir zu den Fakten:

Noch mal die Zusammenfassung der gängigen Irrtümer über HS:  Nicht jeder HSM reagiert extrem auf äußere Sinne. HSM ist mitfühlend. HSM sind ganz unterschiedliche Menschen, so individuell, mit verschiedenen Temperamenten wie alle Menschen.

 

Woher weiss ich dann, ob ich HS bin?

1.HS ist eine genetische Variante. HS ist angeboren. Immer.  Und ist unveränderlich. Man ist entweder HS sein ganzes Leben lang, oder eben nicht.

2.HS ist ein breites Spektrum.  Es gibt Schnittstellen zu Nicht-HSM, aber auch zu gewissen Entwicklungs- und Persönlichkeitsstörungen. Vor allem diese Schnittstellen und Abgrenzungen sind sehr wenig erforscht, weswegen es leider sehr häufig zu Fehleinschätzungen bzw. Diagnosen seitens der Psychologen kommt.

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Der wichtigste Unterschied zwischen HSM und Nicht-HSM ist:

 

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Die neuronale Vernetzung ist anders! (was wohl noch zu beweisen ist. Eine eventuelle Möglichkeit wären Hirnscans.) – HSM nehmen nicht MEHR wahr, sie nehmen ANDERS wahr! Und verarbeiten diese Wahrnehmungen anders! Was zur Folge hat, sie denken anders! Punkt. Leider kann ich dir nicht weiterhelfen, ob du HSM bist. Nur du selbst kannst feststellen, ob und wie dein Denken, deine Wahrnehmung, deine Art, mit Erfahrungen umzugehen, sich vom Gros deiner Mitmenschen unterscheidet! Es gibt keine Tests, um das festzustellen. Die HSM Tests geben vorsichtige Hinweise – vorsichtig heisst, mit Vorsicht zu geniessen.  Ich kenne wenigstens einen HSM – einen Mann, seit ca.30 Jahren ein enger Freund (soll heißen, ich kenne ihn gut-) der ist HS, aber sowas von; obwohl alle bekannten Tests bei ihm negativ ausfallen. Offensichtlich spielt es auch eine Rolle, ob du ein Mann oder eine Frau bist; aber das ist wieder ein anderes Thema.

 

Noch mal zurück zum wissenschaftlichen Ansatz einer Erklärung: die Thalamus-Theorie

Was erklärt die eigentlich? Nur eins: Nämlich, dass wir in unserem physischen Körper eine Entsprechung für einen Wesenszug finden. Oder? Oder bedingt diese Thalamusfunktion die HS? Es ist die alte Frage: Was  war zuerst : Geist oder Materie? Schafft die Materie den Geist, oder doch der Geist die Materie? Für mich ist diese Frage so absurd und abwegig, wie: Glaubst du an die Nacht, bzw. An das Dunkel? Man sieht es nicht mal…..

So hoffe ich, dass vielleicht, ganz vielleicht, die Beschäftigung mit dem Thema HS uns als Menschheit weiterbringt, die Wissenschaft ein wenig entmaterialisiert, ein wenig geistiger macht…

 

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