Hochsensibilität allgemeinTrauma und Hochsensibilität

Schluss mit der Opferrolle!

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Jutta AdministratorKeymaster
Mein Name ist Jutta Jorzik-Oels, als Berater und Coach bin ich spezialisiert auf Hochsensibilität. Ich helfe hochsensiblen Menschen in Krisensituationen.

Jeder von uns war irgendwann im Leben mal ein Opfer. Jeder wurde als Kind mal gehänselt von anderen Kindern, von Erwachsenen unsensibel zurechtgewiesen; vielleicht angeschrien oder sogar geschlagen, weil er die Erwartungen nicht erfüllt hat. Das gilt für Hochsensible ganz besonders, die von Kindheit an auf Unverständnis stossen.

Opfer zu sein bedeutet, heisst, zu re-agieren auf die Handlungen Anderer, statt selbst-bestimmt zu agieren.  Ein Kind ist hilflos und machtlos, wenn es von Erwachsenen zum Opfer gemacht wird. Denn das  Kind ist abhängig vom Erwachsenen.  Jeder von uns hat als Kind Erfahrungen gemacht, bei denen man nur versuchte, möglichst schnell und möglichst mit heiler Haut davonzukommen. Das waren ganz gewiss keine guten Erlebnisse, aber für die Allermeisten auch nicht furchtbar tragisch. Eine Ohrfeige ist noch keine traumatische Erfahrung!

Erst, wenn sich derartige Erfahrungen häufen, Bestandteil des Alltags werden, so dass das Kind irgendwann in ständiger Furcht davor lebt, werden diese Erlebnisse zu einem Trauma, das tiefe Spuren hinterlässt im Gefühlsleben und im Nervensystem.

Durch die sich wiederholenden schlimmen Vorfälle  gerät das Kind dabei in eine Opferhaltung – jederzeit können sich die traumatisierenden Geschehen wiederholen. Ein Kind muss in der Opferrolle bleiben. Es hat keine andere Option, es kann sich nicht wehren. Der Erwachsene ist immer stärker. Jeder Versuch, sich aufzulehnen, ist sinnlos und hat nur noch mehr Leid zur Folge.

Aber irgendwann sind wir erwachsen. Als Erwachsener haben wir die Macht, uns zu wehren. Leider sind Viele, – viel zu Viele, – in der Opferrolle geblieben.

 

Überlebensstrategien

Viele Menschen sind traumatisiert durch die transgenerationalen Kriegstraumata der Vorfahren, erlebten eine sich von Generation zu Generation fortsetzende Spirale der Gewalt. Ein Kind, das Gewalt erfährt, entwickelt Strategien, um Gewaltsituationen auszuweichen oder abzumildern. Diese Verhaltensweisen werden zu Gewohnheiten, die auch vom Erwachsenen beibehalten werden.

Nicht  Jeder, der in der Opferrolle ist, halt Gewalt am eigenen Leib erlebt. Sehr Viele haben die Opferhaltung  erlernt vom Vorbild eines Elternteils, wenn die Beziehung der Eltern toxisch war;  z.B. wenn einer der Eltern Alkoholiker war und der andere Elternteil alles tat, diese Schande vor der Umwelt geheim zu halten. Dann hat man gelernt, dass man als Opfer keine Chance hat, sich zu wehren.

 

Anzeichen dafür, dass man in der Opferrolle ist

Eines der typischsten Anzeichen ist das Helfersyndrom. Das ist nicht zu verwechseln mit Hilfsbereitschaft! – Wer an einem Helfersyndrom leidet, gibt jedem ungefragt Hilfe, und zwar bis zur Selbstaufgabe. Man sucht gewissermassen nach Hilfebedürftigen, gibt ungefragt Ratschläge. Hochsensible sind meiner Beobachtung nach besonders anfällig für das Helfersyndrom.

Häufig ist auch Co-Abhängigkeit. Co-Abhängigkeit ist eng verwandt mit dem Helfersyndrom. Der Co-Abhängige unterstützt den Abhängigen, indem er in jeder Hinsicht die Sucht unterstützt. Das kann so aussehen, dass er dem Alkoholiker Alkohol besorgt, dem Heroinabhängigen und Spielsüchtigen Geld gibt; den Kranken bei Arbeitgebern krank meldet etc.  Kurz gesagt, er macht die Sucht des Abhängigen zu seinem eigenen Lebensinhalt.

 

Kontrolle
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Weitere Symptome sind:

Kontrollsucht – man spioniert dem Partner die ganze Zeit hinterher, muss jedes Detail aus dessen Leben wissen.

Scham für Dinge, für die man selbst nicht verantwortlich ist; besonders sich schämen für Verhalten von anderen.

Auch eine gewisse überfürsorgliche Haltung Partner und Kindern gegenüber, ihnen nichts zutrauen, sie nichts selbst tun zu lassen, deutet auf die Opferrolle.

Zusammengefasst kann man sagen: Durch alle diese Symptome – vermutlich gibt es noch viel mehr – lebt man mehr das Leben der Anderen als sein eigenes.

Das gilt natürlich erst recht dann, wenn man in eine Situation gerät, in der man sich selbst als Opfer erlebt.

Das ist die grosse Gefahr für Menschen in der Opferhaltung: Sie sind besonders anfällig dafür, in eine toxische Beziehung zu geraten und in die hilflose Opferposition eines Kindes zu geraten!

 

Hör auf, dich als Opfer zu sehen

Lass dein Verhalten nicht von anderen bestimmen. Entscheide selbst, wie du mit Bitten, Forderungen, Beleidigungen umgehst.

Wie reagierst du, wenn dein Partner sagt: „In der Hose siehst du unmöglich aus.“ – Wenn die Freundin fragt: „Oh, du hast wohl einige Kilo zugenommen?“ Wenn dein Teenie rummotzt: „Hast du etwa immer noch nicht meine Lieblingsjeans gewaschen?“

Entgegnest du dem Partner selbstbewusst: „Findest du? Schade, ich finde mich nämlich sehr schön in dieser Hose.“ Antwortest du der Freundin: „Kann gut sein, ich habe mich mal zwei Wochen täglich mit Pizza und Pralinen verwöhnt. – Wenn ich zugenommen habe, gibt es ja nun mehr von mir!“ Sagst du dem Teenie: “ Nein, und das ist auch nicht geplant, ich führe ja kein Hotel!“

Ein Mensch in der Opferrolle reagiert so, dass er sich verteidigt, denn man will es dem anderen recht machen. Man will nicht „unmöglich aussehen“ in den Augen des Partners, auch wenn man selbst sich schön findet in dieser Hose. – Wenn man zugenommen hat, schämt man sich als Opfer in einer Gesellschaft, in der nur Schlanke gut aussehen und Gutaussehen ein MUSS ist.  – Und das Kind hat einen Anspruch auf Versorgung, da schämt man sich auch, dass die Wäsche nicht fertig ist; dann ist man eine schlechte Mutter.

In gewisser Weise ist man mit der Opferhaltung  da stehen geblieben, wo man als Kind war: Ein Opfer ist nie verantwortlich! Aber zum Opfer gemacht zu werden ist eine Sache; in der Opferrolle bleiben eine andere!

Jetzt ist es Zeit, die Opferrolle aufzugeben! Es ist an der Zeit, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen.

 

Sei stolz auf dich
Zeige dich selbstbewusst

Selbstbestimmt zu handeln und selbstbewusst zu reagieren.

Wirst du bei der Arbeit gemobbt? ? – Das macht dich nicht zum Opfer, wenn du diese Rolle nicht annimmst. Ein Mobbingopfer wirst du erst, wenn du dich still davon machst, voller Scham und Schuldgefühle.

Als Opfer machst du den Täter zum Täter; ohne dein Opfer-sein kann er nicht Täter sein. Du bist Matchpartner im selben Spiel, er steht nur auf der anderen Seite desselben Spielfeldes. Steig aus dem Spiel aus! Reagiere nicht mit Angst und Scham und Verteidigung.

Wehre dich; indem du im Mobbingfall sofort bei allen Kollegen alles offen auf den Tisch legst.

 

Lerne Selbstliebe

Selbstliebe hat nichts mit Egoismus zu tun, wie vor allem empathische Hochsensible oft denken.

(Lies auch Empathie vers. Intuition)

Die Definition für Egoismus ist: „….Haltung, die gekennzeichnet ist durch das Streben nach Erlangung von Vorteilen für die eigene Person, nach Erfüllung der die eigene Person betreffenden Wünsche ohne Rücksicht auf die Ansprüche anderer“.

Sich selbst zu lieben bedeutet, sich auf dieselbe Stufe zu stellen mit all den Anderen, denen man sich verpflichtet fühlt.

Selbstliebe bedeutet, so zu leben, wie man selbst möchte.

Sich selbst zu lieben bedeutet auch die Fähigkeit, dem Täter, der dich zum Opfer gemacht hat, wirklich verzeihen. Erst dadurch wirst du wirklich frei. Aber auch der Täter, dessen Täterschaft irgendwann aus einer Opferrolle entstanden ist, wird durch deine Vergebung befreit.

Sich selbst zu lieben bedeutet auch und vor allem, sich nicht als Opfer der Umstände zu sehen! Egal, ob Pandemie herrscht, das Wetter schlecht ist, die Konjunktur im Keller ist – immer gib te Möglichkeiten, sein Leben aktiv in die Hand zu nehmen!

*

 

Gedicht „Als ich mich selbst zu lieben begann“

Als ich mich selbst zu lieben begann… habe ich verstanden, dass ich immer und bei jeder Gelegenheit, zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin und dass alles, was geschieht, richtig ist – von da an konnte ich ruhig sein. Heute weiß ich: Das nennt man SELBST-BEWUSST-SEIN.

Als ich mich selbst zu lieben begann, konnte ich erkennen, dass emotionaler Schmerz und Leid nur Warnungen für mich sind, gegen meine eigene Wahrheit zu leben. Heute weiß ich: Das nennt man AUTHENTISCH SEIN.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich verstanden, wie sehr es jemand beleidigen kann, wenn ich versuche, diesem Menschen meine Wünsche aufzudrücken, obwohl ich wusste, dass die Zeit nicht reif war und der Mensch nicht bereit, und auch wenn ich selbst dieser Mensch war. Heute weiß ich: Das nennt man RESPEKT

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, mich nach einem anderen Leben zu sehnen und konnte sehen, dass alles um mich herum eine Einladung zum Wachsen war. Heute weiß ich, das nennt man REIFE.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, mich meiner freien Zeit zu berauben, und ich habe aufgehört, weiter grandiose Projekte für die Zukunft zu entwerfen. Heute mache ich nur das, was mir Freude und Glück bringt, was ich liebe und was mein Herz zum Lachen bringt, auf meine eigene Art und Weise und in meinem eigenen Rhythmus. Heute weiß ich, das nennt man EINFACHHEIT.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich mich von allem befreit, was nicht gesund für mich war, von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen und von Allem, das mich immer wieder hinunterzog, weg von mir selbst. Anfangs nannte ich das „Gesunden Egoismus“, aber heute weiß ich, das ist SELBSTLIEBE.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, immer recht haben zu wollen, so habe ich mich weniger geirrt. Heute habe ich erkannt: das nennt man BESCHEIDENHEIT.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich mich geweigert, weiter in der Vergangenheit zu leben und mich um meine Zukunft zu sorgen. Jetzt lebe ich nur noch in diesem Augenblick, wo ALLES stattfindet, so lebe ich heute jeden Tag, Tag für Tag, und nenne es BEWUSSTHEIT.

Als ich mich zu lieben begann, da erkannte ich, dass mich mein Denken behindern und krank machen kann. Als ich mich jedoch mit meinem Herzen verband, bekam der Verstand einen wertvollen Verbündeten. Diese Verbindung nenne ich heute HERZENSWEISHEIT.

Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen, Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen fürchten, denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander und es entstehen neue Welten. Heute weiß ich: DAS IST DAS LEBEN!

Charlie Chaplin an seinem 70. Geburtstag am 16. April 1959

* Wenn du allein nicht rauskommst aus der Opferfalle und selbstbewusst leben möchtest, helfe ich dir gern weiter! Mein Angebot für dich

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