Hochsensibilität und BeziehungenHochsensibilität allgemein

Wie geht eine glückliche Beziehung?

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Eine gute Beziehung führen
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Jutta AdministratorKeymaster
Mein Name ist Jutta Jorzik-Oels, als Berater und Coach bin ich spezialisiert auf Hochsensibilität. Ich helfe hochsensiblen Menschen in Krisensituationen.

Ist es für Hochsensible schwerer als für neurotypische Menschen, eine glückliche Beziehung zu führen?

Was ist eine gute, eine glückliche Beziehung? Ganz einfach: Eine Beziehung, in der beide Partner sich wohl fühlen und zufrieden oder glücklich sind in ihrer Beziehung. (1)

Die Suche nach Glück ist ja der Grund, dass mensch überhaupt eine Beziehung eingeht. Nur machen leider viele Menschen den Fehler, ihr Glück bei anderen zu suchen.

Nein, dein Partner ist nicht verantwortlich für dein Glück!

Das von ihm zu erwarten, ist der erste Grund zum Scheitern der Beziehung!

Selbstverständlich trägt eine gute Partnerschaft zu deinem Glück bei. Dennoch ist es ein Fehler zu erwarten, der Partner bringt das Glück.

Für dein Glück bist du selbst verantwortlich!

Anders ausgedrückt: Wer allein nicht glücklich sein kann, findet das Glück auch nicht in der Beziehung.

Denn die grosse Gefahr ist: Du suchst dir einen Partner, von dem du dich abhängig machst, denn sein Verhalten soll dich glücklich machen. Damit öffnest du Tür und Tor einem Menschen, der dich manipuliert. Viele toxische Beziehungen haben ihre Ursache genau da, dass einer der beiden Partner die Erwartung hatte, der/die andere habe ihn glücklich zu machen. Damit gibst du die Verantwortung über dein Leben ab an einen anderen Menschen.

Davon abgesehen ist das, was dich glücklich und zufrieden leben lässt in einer Beziehung, sehr individuell. Viele Wünsche, manche Bedürfnisse, Werte, Erwartungen, die jeder mit in die Beziehung bringt, lassen sich aneinander anpassen.

Romantische Wünsche und Träume von einer guten Beziehung sind tatsächlich eher unwichtig!

 

Echte Bedürfnisse

Die Erfüllung echter Bedürfnisse ist eine wichtige Grundlage für eine gute Beziehung. Kennst du deine wahren Bedürfnisse?

Eines der Urbedürfnisse des Menschen ist das nach Sicherheit.

Vertrauen und Zuverlässigkeit sind Aspekte des Urbedürfnisses nach Sicherheit.

Es gibt Menschen, die durchaus glücklich sind in einer Beziehung mit einem chronischen Lügner. Und wenn jemand grundsätzlich unpünktlich ist, ist das ja auch berechenbar und damit zuverlässig.

Die Frage ist: Wie wichtig ist Pünktlichkeit für dich?  

Wenn man frisch verliebt ist, neigt man dazu, über solche Dinge wie Unpünktlichkeit hinwegzusehen. Das ist nur eine Kleinigkeit;  „aber er/sie ist doch so ein guter Mensch!“ – Täusche dich nicht; meist sind es Kleinigkeiten, die vielleicht nicht direkt zur Trennung führen, aber dich auf Dauer nicht glücklich werden lassen.

Bist du ein spiritueller Mensch, für den Spiritualität ein wichtiger Wert ist? Dann scheidet ein Partner mit einer sehr materialistischen Weltanschauung vermutlich aus, wenn du eine gute Beziehung führen willst. (2)

Erfahrungsgemäss sollte die Einstellung zum Thema Geld bei beiden Partnern ähnlich sein: Jemand, für den Geld an sich, Eigentum, nichts bedeutet, wird nicht glücklich werden mit jemandem, der sehr am Geld hängt und es anhäufen möchte. Auch, wenn der eine ein sehr grosszügiger Mensch ist und gerne mit vollen Händen schenkt; der andere dagegen eher geizig – das sind für ein Zusammenleben mit gemeinsamen finanziellen Haushalt schlechte Voraussetzungen.

Was brauchst du, damit es dir gut geht?  Was in deinem Leben ist unverzichtbar, was ist verzichtbar?

Fazit:

Eure Auffassungen und Einstellungen können grundverschieden sein: politisch, religiös, kulturell – solange diese verschiedenen Auffassungen keine wichtigen Werte darstellen!

 

Goldbarren
Wieviel Wert hat Geld und Gold für dich?

Deine Gefühle

Grundsätzlich löst jedes Verhalten eines anderen Wesens  Gefühle in uns aus. Als Hochsensible nehmen wir diese besonders wahr und haben je nach Intensität viel länger daran zu knacken als normalsensible, neurotypische Menschen.

Welche Gefühle das Verhalten eines anderen aber in uns auslöst, wird beeinflusst durch frühere Erfahrungen und durch deine Persönlichkeit.

Beispiel: Beim gemeinsamen Essen der Suppe verbrennst du dir den Mund, lässt den Löffel fallen und schreist „au!“; woraufhin dein Partner sagt:“Sei doch nicht so empfindlich, so heiss ist die Suppe doch gar nicht.“ Du bist tief verletzt ob dieser verständnislosen Äusserung.

Die Bemerkung ist unsensibel und zeigt mangelndes Verständnis. Das ist die eine Sache.

Wie du emotional reagierst, ist eine ganz andere! Denn sehr wahrscheinlich wollte dein Partner dich nicht verletzen mit seiner Bemerkung; vielleicht hat er nur einen schlechten Tag. Deine Verletztheit bezieht sich auf die hunderte  Male, bei denen man dir zu grosse Empfindlichkeit und zu hohe Sensibilität vorgeworfen hat. – Dein Verletzt-sein wiederum löst je nach deiner Persönlichkeit Wut, Scham oder Trauer aus.

Dein Partner kann nichts für das, was du fühlst! Eine unvoreingenommene Reaktion auf diese Bemerkung wäre die Rückfrage an ihn: „Bin ich wirklich so empfindlich?“

Einer der wichtigsten Grundsätze für jede Art von Beziehung – zu Freunden, Verwandten, Arbeitskollegen Chefs, Nachbarn, Ehe- Liebespartnern ist:

Für deine Gefühle bist du selbst verantwortlich!

 

Liebe

Und was ist mit Liebe?

Die ideale Liebe ist die universelle, die bedingungslose Liebe. Wer sie empfindet, kann jedem Menschen (und jedem anderen Geschöpf) Liebe entgegenbringen. Ein Ideal, dem wir uns bestenfalls annähern können.

Unter Liebe in der Beziehung wird ganz allgemein die romantische Liebe verstanden. Historisch betrachtet ist romantische Liebe in der Paarbeziehung sehr jung. Bis vor 250 Jahren heiratete man ökonomisch und eine Person aus demselben Stand.  Erst das Liebesideal der romantischen Liebe ermöglichte Heiraten über Standesgrenzen hinweg.  In den westlichen Gesellschaften haben sich romantische Beziehungen erst im 20. Jahrhundert durchgesetzt! Davor war die romantische Liebe eher etwas Verbotenes, Geheimes, wurde nicht erfüllt – es bliebe bei der Anhimmelung aus der Ferne.

In einigen asiatischen Gesellschaften ist es heute noch üblich, Ehen zu arrangieren. Und oft sind diese Beziehungen sehr gut! „Wenn der Partner durch die Eltern gut gewählt wurde, wächst die Liebe in der Ehe“, habe ich von indischen Frauen gehört.

Jeder möchte lieben.

Jeder möchte geliebt werden.

Zur Liebe gehört die Selbstliebe.

Ohne Selbstliebe kann man keine Liebe annehmen.

Wer nicht gelernt hat, sich selbst zu lieben, wird nicht an die Liebe des Partners glauben. („Ich bin so fett; und dann meine krummen Beine – wie kann der mich schön finden?!“) Mangelnde Selbstliebe resultiert aus mangelndem Selbstwertgefühl.

Woraus resultiert so ein schlechtes Selbstwertgefühl? Aus der elterlichen Liebe, die an ganz viele Bedingungen geknüpft wurde. Das war in den westlichen Gesellschaften bis in die 1970er Jahre üblich; ganze Generationen waren und sind noch geprägt durch die Schwarze Pädagogik. Für Hochsensible, deren Anderssein statt mit liebevoller Akzeptanz mit Unverständnis und Kritik begegnet wurde, gilt das in verstärktem Maß!!!  (3)

Tiefe seelische Verletzungen können ein ernstes Hindernis darstellen bei der Fähigkeit, sich selbst und andere zu lieben.darstellen

 

zwei Herzen
zwei Herzen

Wie Traumata wirken

Traumatische, unverarbeitete Erlebnisse können einen sehr schädigenden Einfluss auf die Beziehung haben.

Ein Trauma ist eine seelische Verletzung, die zu tief war oder – im Fall von Misshandlung – über längere Zeiträume wiederholend stattfand und deshalb nicht verarbeitet werden konnte.  Der damit verbundene Schmerz ist aber in unseren Zellen vorhanden und wird aktiviert, sobald er „getriggert“ wird; also wenn irgend etwas eintritt, was an den furchtbaren Schmerz von damals erinnert. Das kann ein bestimmtes Geräusch sein oder ein Geruch, wobei der Zusammenhang in den seltensten Fällen bewusst ist.

Wenn du zum Beispiel einen schlimmen Autounfall erlebt hast, und hörtest unmittelbar vor dem Aufprall einen Hund bellen, ist es möglich, dass das Bellen eines Hundes bei dir Panik auslöst. Du verbindest das nicht mit dem Unfall; das bellen holt lediglich die Empfindungen hervor, die das traumatische Ereignis ausgelöst hat.

Unverarbeitete Traumata führen dazu, dass du oder dein/e Partner/in völlig unangemessen auf bestimmte Reize reagierst. Angenommen, dein Partner hatte als Kind Angst vor seinem Vater, der oft unvermittelt zuschlug. Dann lösen eventuell bestimmte Gesten Panik aus, die bei ihm zu einer aggressiven Reaktion führen. Du verstehst natürlich diese der Situation völlig unangemessene Reaktion nicht und reagierst wahrscheinlich deinerseits ungeduldig oder unwirsch. Das führt leicht zum handfesten Beziehungskrach. Erschwerend kommt noch hinzu, dass Menschen mit schweren unverarbeiteten Traumata immer in der Opferrolle bleiben, in der sie sich während der traumatisierenden Situation erlebt haben. Das heisst, dass solch ein Mensch unbewusst in allen anderen, so auch im Partner, mögliche Täter sieht; oder er nötigt den Partner in die Rolle des Therapeuten.

Ein hochsensibler Partner möchte so gern helfen, die alten Wunden heilen! Aber niemand kann der Therapeut seines Partners sein. Niemals!

Eine Liebesbeziehung und eine therapeutische Beziehung schliessen sich gegenseitig aus! (4 und 5)

Schwere Entwicklungstraumata und Bindungstraumata der Kindheit können unter unglücklichen Begleitumständen zu verschiedenen Persönlichkeitsstörungen führen, unter anderem zur narzisstischen Störung.

Nicht umsonst sind Beziehungen zwischen narzisstisch gestörten Menschen und Hochsensiblen ein ständig wiederkehrendes Thema in unzähligen Paartherapien, Selbsthilfeforen und Blogs. (6 und 7)

 

Achtung, Respekt und Verständnis

Eine achtungsvolle Haltung dem/der Partner/in gegenüber ergeben sich fast von selbst, wenn du mit dir selbst im Reinen bist, weil du gelernt hast, dich selbst anzunehmen und zu lieben. Zu einem liebevollen Umgang  mit sich selbst gehört, Verständnis für Fehler aufzubringen, Nachsicht zu üben. Respektvoll mit sich selbst umzugehen.

Respekt sich selbst gegenüber – das klingt komisch? Wie oft schimpfst du dich selbst, wenn dir ein meist ganz unwesentliches Missgeschick geschieht als „ich Idiot!“ Oder sagst zu anderen erklärend: “ Ich hab’s noch nicht verstanden, ich bin zu blöd für so was.“ Das ist sehr respektlos! Würdest du in der Weise mit deinem Kollegen reden? Nein. Behandel dich selbst niemals schlechter als andere Menschen, die du schätzt!

Darum gehört zu einer guten Beziehung auch eine wertschätzende Kommunikation! (8)

 

Fazit

Die besten Voraussetzungen für eine glückliche, langlebige Beziehung sind gegeben, wenn du:

Gelernt hast, für dich und dein Leben die Verantwortung zu übernehmen;

Dich gut kennst und so magst und akzeptierst, wie du bist – mit deinen Schattenseiten;

möglichst deine Traumata bzw. alten seelischen Verletzungen bearbeitet hast oder zumindest weisst, warum du panisch oder wütend auf Verhaltensweisen reagierst.

Perfekt ist, wenn das alles auch auf deine/n Partner/in zutrifft!

 

Weiterführende Blogartikel zur Thematik:

(1) Zutaten für eine Beziehung

(2) Der ideale Partner 

(3) Die Einsamkeit von Hochsensiblen

(4) Die Wirkung früher Traumata

(5) Wie wirken Traumata auf Hochsensible

(6) Der Hochsensible und der Narzisst

(7) Toxische Beziehungen und Traumata

(8) Kommunikation und Macht

 

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