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Toxische Beziehungen und Traumata

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Wie wirken Traumata auf Beziehungen

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Jutta Administrator
Mein Name ist Jutta Jorzik-Oels, als Berater und Coach bin ich spezialisiert auf Hochsensibilität. Ich helfe hochsensiblen Menschen in Krisensituationen.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen frühkindlichen Traumata und Beziehungen?

Ja, denn jedes erlittene Trauma wirkt auf das Gefühlsleben und damit unweigerlich auch auf das Sozialleben; sprich auf alle Beziehungen.

Aber was ist ein Trauma? Darauf gibt es keine kurze Antwort; darum nur so viel: Eine seelische Verletzung, die  Folgen hinterlässt. Je früher diese Verletzung stattfindet, desto weitreichender sind die Folgen.

Hier einige Tatsachen über seelische Traumata:

  • Psychische Traumatisierungen spielen eine zentrale Rolle für die Entwicklung psychischer Störungen. (*1  Wikipedia )
  • Eine als Kind erhaltene Ohrfeige verursacht KEIN Trauma!
  • Es gibt vermutlich keine Menschen ohne Kindheitstraumata.

Je nach Schwere des erlittenen Traumas sind die Auswirkungen mehr oder weniger ausgeprägt. Das Verhalten anderen Menschen gegenüber wird demnach ebenfalls mehr oder weniger stark beeinflusst.

So wirken Kindheitstraumata nicht erst in der Beziehung zum Partner, sondern beeinflussen vor allem die Partnerwahl.

 

Toxische Beziehungen

Was ist eine toxische Beziehung?

Nach dem Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik  ist „Der Begriff der toxischen Beziehung ….. eine Definition für Partnerschaften, die mehr Kraft kosten als geben“  (*2 Stangl, Lexikon. stangl )

Anders als Stangl definieren Therapeuten toxische Beziehungen  so, dass durch das toxische Verhalten eines Partners der/die andere nach und nach vergiftet wird; das heisst, dass dieser unweigerlich Symptome entwickelt und schwere seelische Verletzungen erleidet. (Toxisch bedeutet giftig.)

Sehr häufig wird der Begriff der toxischen Beziehung gleichgesetzt mit einer Beziehung mit einem Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung.  Tatsächlich gibt es jedoch sehr verschiedene toxische Beziehungen; davon machen Verbindungen zu einem NPSler (NPS = Narzisstische Persönlichkeitsstörung) nur einen Teil aus!

Deswegen mein dringender Rat an diejenigen, die glauben, in einer toxischen Beziehung zu sein:

Verschwende keine Energie darauf, heraus zu finden, ob dein/e Partner/in ein Narzisst ist!

Denn:

  1. wichtig ist einzig und allein das Leiden des anderen Partners in der Beziehung,
  2. was auch immer der/die Partner/in ist: sich damit zu beschäftigen, ist das Falscheste, was man tun kann! (Mehr dazu im Abschnitt Wie funktioniert eine toxische Beziehung am Beispiel NPS)

Um die Feststellung zu treffen, in einer toxischen Beziehung zu sein, reicht tatsächlich der subjektive Leidensdruck, das Leiden unter dem Partner.

Partner in einer Partnerschaft sollten gleichberechtigt, gleichgestellt sein. Sobald einer der beiden meint, weniger wert zu sein, zum anderen aufsehen zu müssen; oder der andere Partner überzeugt ist, besser und mehr wert zu sein, sind die beiden Partner nicht auf Augenhöhe. (siehe auch *3 Beziehung in Schieflage )

Eine toxische Schieflage ist in zwei Richtungen möglich: Entweder ist der „toxische“, also der gestörte Partner aktiv verletzend durch sein Verhalten ( – hält den anderen klein, abhängig, macht ihn runter). Oder der gestörte Partner ist passiv toxisch; macht den anderen von sich abhängig, so dass dessen Leben nur noch um das Wohlergehen des anderen kreist.

Allerdings gibt es häufig Beziehungen, in denen beide Partner gestört sind, mehr dazu im Abschnitt Zwei gestörte Partner.

 

Persönlichkeitsstörungen

Jede der verschiedenen Persönlichkeitsstörungen vergiftet auf Dauer die Beziehung.

Hier ist eine recht umfassende Liste mit Beschreibung der einzelnen Persönlichkeitsstörungen: ( *4 Persönlichkeitsstörung)

Die Diagnostik ist oft auch für Spezialisten nicht einfach; auch, weil Persönlichkeitsstörungen in mannigfaltigen Kombinationen auftreten. Sehr häufig kommen auch verschiedene Psychiater zu ganz unterschiedlichen Diagnosen.

Und schliesslich: Es muss nicht immer eine Persönlichkeitsstörung sein, die die Beziehung vergiftet. Nicht immer gibt es eine Erklärung.

Manchmal ist der toxische Partner auch nur ein riesengrosses A….loch!

Es gibt aber auch  Erkrankungen, die nicht zu den Persönlichkeitsstörungen zählen, aber mindestens ebenso toxisch sind, wie:

 

Alkoholismus

und jede andere Suchterkrankung. Oft tritt Alkoholismus auch in Zusammenhang mit einer Persönlichkeitsstörung auf.

Interessanterweise gibt es überraschende Übereinstimmungen zwischen Alkoholikern und NPSlern: Der Alkoholiker ist niemals an etwas schuld; immer ist er ein Opfer der Umstände. Häufig schiebt er dem Partner die Verantwortung für seinen Alkoholmissbrauch zu. Die Krankheitseinsicht fehlt. Oft wird auch die Tatsache, nicht mit Alkohol umgehen zu können, abgestritten, indem dem Partner eine Persönlichkeitsstörung mit Wahnvorstellungen unterstellt wird. Und wie grandiose NPSler sind auch Alkoholiker unglaublich geschickt darin, die Fassade nach aussen jahrelang aufrecht erhalten zu können.

 

Schein oder Wirklichkeit
Nur Fassadenmalerei

 

Wie entstehen  toxische Beziehungen?

Um den Sachverhalt nicht unnötig zu verkomplizieren, gehe ich von einer klassischen Täter-Opfer Beziehung aus: Maligner NPSLer und Empath, oder gewalttätiger Alkoholiker und Empath.

Eine entscheidende Rolle bei der Entstehung einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung spielen Kindheitstraumata: Bindungstraumata und familiäre Traumata. Dazu kommt nach heutigem Wissensstand eine genetische Disposition sowie weitere traumatische Erlebnisse in der Jugend. Dieses Muster ist übertragbar auf alle Persönlichkeitsstörungen sowie auf Alkoholismus.

Aber:

Zu einer toxischen Beziehung gehören immer zwei!

Was bedeutet das?

Das heisst NICHT, dass derjenige Partner, der unter dem/der toxischen Partner/in zu leiden hat,

  • selbst schuld ist – das ist er/sie nie!
  • oder gar für das toxische Verhalten des/der anderen verantwortlich ist – das kann er/sie gar nicht!
  • oder in Wirklichkeit genau so ein Narzisst, Alkoholiker oder was sonst ist, weil er diese Beziehung eingegangen ist – das ist eine der infamsten Unterstellungen!

NEIN – in toxischen Beziehungen mit einem toxischen Partner** gibt es eine/n Täter/in und ein Opfer! Die obigen Behauptungen, die man leider immer wieder hört bzw. liest, entsprechen dem typischen Denkmuster von beispielsweise narzisstischen Persönlichkeiten, aber auch von Alkoholikern: Niemals für etwas verantwortlich sein; nicht man selbst, sondern alle anderen sind gestört.

Allein diese Einstellung vergiftet jede Beziehung.

Dennoch gilt: Eine toxische Beziehung entsteht nur dann, wenn Täter und Opfer zusammenkommen!

** Beziehungen mit zwei toxischen Partnern siehe Zwei gestörte Partner

 

Wie man zum Opfer wird

Auch der/die Partner/in, der/die zum Opfer wird, leidet unter den Folgen erlittener Kindheitstraumata.

Interessanterweise gleichen sich die Traumata der Täter und der Opfer sehr! Was macht aus dem einen Menschen einen persönlichkeitsgestörten Täter; aus dem anderen ein leidendes Opfer? Ausschliesslich die genetische Veranlagung?

Es gibt noch sehr viel zu forschen auf diesem Gebiet!

Für jeden Menschen, für jede Beziehung gilt der Grundsatz:

Es werden erlernte Muster wiederholt. Die erste Beziehung, die ein Kind erlebt, ist die zur Mutter. Selbst wenn die Rolle der Hauptbezugsperson Vater, Grosstante, Pflegemutter einnimmt, hinterlässt die Beziehung der Mutter zum Kind tiefe Spuren.  Die nächste prägende Beziehung, die man erlebt, ist die Beziehung der Erwachsenen untereinander, bei denen man aufwächst. Wenn ich als Kind bei Eltern aufwachse, die in einer toxischen Beziehung leben, wie soll ich lernen, wie eine partnerschaftliche Beziehung funktioniert?

Ein ungeliebtes Kind erlebt sich als nicht liebenswert. Obwohl es sich zutiefst nach Liebe sehnt, wird es unbewusst nach Partnern suchen, die genau so wenig fähig sind, zu lieben, wie die Mutter. Der Erwachsene, der keine Elternliebe erfahren hat, geht eine Kollusion*** ein mit einem Partner, der nicht lieben kann (und der ebenfalls keine Elternliebe erfahren hat).

*** Den Begriff der Kollusion bei Zweierbeziehungen hat der Schweizer Paartherapeut Jürg Willi (1934 – 2019) für Fälle geprägt, in denen die Dispositionen beider Partner wie Schlüssel und Schloss zusammenpassen.

*5  Kollusion;  *6 Jürg Willi

 

Das Resonanzgesetz

Bei einer kollusiven Beziehung wirkt das Resonanzgesetz: Sehr oft wird dieses falsch verstanden und so ausgelegt: „Gleiches zieht Gleiches an“. Dieses falsche Verständnis hat zu Aussagen von angesehenen Paartherapeuten geführt „Nur was in mir ist, erkenne ich wieder; ergo: Nur wenn ich selbst Narzisst bin, wähle ich einen narzisstischen Partner“.

Aber so simpel funktionieren kosmische Gesetze nicht! Nein, es geht dabei nicht um das, was ich bin; sondern um das, worauf ich mich fokussiere. Entscheidend ist, das womit ich mich innerlich beschäftige: Lebe ich z.B. in der ständigen Furcht, ausgeraubt zu werden, ziehe ich mit dieser ständigen gedanklichen Ausrichtung auf das Thema Raub Diebe magisch an.

Anders ausgedrückt mit den Worten Jürg Willis: Das Opfer ist das Schloss, der Täter der Schlüssel.

Es kommt selbstverständlich vor im Leben, dass sich ein narzisstisch gestörter Mensch und ein nicht-traumatisierter Mensch anziehend finden und eine Beziehung eingehen. Aber hier passt der Schlüssel nicht zum Schloss; diese Beziehung wird ganz schnell wieder beendet.

 

Zu jedem Schloss gibt es einen Schlüssel
Schloss und Schlüssel

 

Wie eine toxische Beziehung funktioniert am Beispiel NPS

Der NPSler (auszutauschen gegen Histrioniker, abhängigen PSler, usw.) benötigt einen Gegenspieler, um seinen Narzissmus leben zu können.

Er macht seinem Partner Spielangebote: Er sehnt sich nach Bewunderung, erzählt, wie wunderbar er ist – das ist der Aufschlag. Gibst du den Ball zurück und bewunderst ihn? Dann bist du der richtige Partner.

Denn damit bedienst du seine/ihre Störung  und verstärkst dieses Verhalten!

Irgendwann beginnt er, dich runterzumachen. Ist das für dich ein gewohntes Muster; bist du als Kind so behandelt worden, oder hast erlebt, wie dein Vater deine Mutter so behandelt hat?

Bei der narzisstischen PS gibt es ausser der aktiven, männlichen Form auch die passive, weibliche oder verdeckte Form. Auch der verdeckte NPSler macht seinem Partner Angebote: Er ist ständig für ihn da, umsorgt ihn, opfert sich auf, um ihm zu helfen. Nimmst du diese (scheinbare) Selbstaufgabe an und erwiderst sie mit der Dankbarkeit und Zuwendung, die der/die Partner/in für sein Verhalten erwartet?

Jeder narzisstisch gestörte Mensch braucht einen Partner, der die Störung bedient, ansonsten wird er sich ganz schnell wieder von ihm trennen. Das gilt auch für abhängige PSler, Histrioniker, etc.

Etwas anders ist es bei Alkoholikern: Sie sind vom Stoff abhängig und gehen ihrer Sucht in jedem Fall nach. Trotzdem sucht auch er einen Partner, der seine Abhängigkeit bedient und das Suchtverhalten unterstützt – beispielsweise dadurch, dass dieser den Alkoholiker beim Chef wegen Grippe entschuldigt, wenn der betrunken ist. Denn durch diese Unterstützung des Partners kann der Alkoholiker wesentlich länger die Fassade aufrecht erhalten.

Es ist ein Beziehungsgesetz, dass jeder gestörte Mensch als Partner einen Menschen sucht, der die Störung bedient! Der gestörte Partner wird deshalb alles dafür tun, den anderen genau dazu zu bewegen und damit zum Opfer zu machen.

Es gibt nur eine einzige Möglichkeit, aus dem Täter-Opfer Spiel herauszukommen: Du reagierst in gar keiner Weise auf das toxische Verhalten.

Wie das gelingt? Indem du dich nicht an den Partner denkst, sondern an DICH und an DEIN Wohlbefinden. Ein „Opferpartner“ ist immer fokussiert auf den „Täterpartner“ und kreist mit seinen Gefühlen und Gedanken um ihn.

Richte den Fokus auf dich!

Es ist diese Haltung, diese Einstellung, dass man für das Glück des Partners wenigstens mitverantwortlich ist, der erste Schritt in die Opferfalle einer toxischen Beziehung.

Aber….

Was ist denn das für ein Beziehung, in der man seinen Partner nicht unterstützt? Eine Beziehung, in der man sein Mitgefühl ausschalten muss?

Eine Beziehung, in der du unter dem Verhalten deines Partners leidest, ist ein toxische Beziehung! 

 

Empathie oder emotionale Bedürftigkeit?

Empathie – emotionale Empathie – heisst, mit zu fühlen. Mitgefühl ist etwas anderes als Mitleiden! Das Beispiel der toxischen Beziehung ist ein klassischer Fall dafür, dass Mitleid falsch ist und niemals hilft.

Gesundes Mitgefühl heisst nichts anderes als zu fühlen, wie der Andere sich fühlt. Es heisst eben nicht, diesen Gefühlen des/der anderen mit entsprechenden Handlungen nachzugeben! Damit leidet man nicht nur unter dem toxischen Verhalten des Partners, sondern verleibt sich die Störung/Erkrankung des Partners ein und erkrankt selbst. (siehe auch *7 Fühlst du deine Gefühle)

Aus narzisstischen Partnerschaften kennt man das Gaslighting: Der NPSler überzeugt seinen Partner davon, dass dieser der eigentlich Gestörte ist; entweder, weil er Wahnvorstellungen habe über seine, des NPSlers seelische Verfassung, oder, weil er mit seinem kranken Verhalten ihn, den NPSler zu seinen gewalttätigen Handlungen getrieben habe.

Ist es dem toxischen Partner gelungen, den Partner davon zu überzeugen, dass dieser der eigentlich gestörte, toxische sei, ist dieser andere Partner schon sehr weit verstrickt in die Opferhaltung und wird sich nur schwer ohne professionelle Hilfe befreien können.

Aber ist es wirklich Empathie, die jeden zum Opfer macht, der an einen toxischen Menschen gerät?

Lange Zeit bin ich davon ausgegangen, dass die Menschen, die zum Opfer in toxischen Beziehungen werden, bis auf ganz wenige Ausnahmen empathische Hochsensible sind.

Weil toxische Menschen genau diesen Partner suchen, die durch ihre hohe Empathie und ihre Hilfsbereitschaft prädestiniert dafür sind, ihre Störung zu bedienen.

Und weil andererseits empathische Hochsensible sich solche Partner suchen, denen sie mit ihrer Liebe helfen können.

Doch diese Annahme war falsch, wie ich inzwischen verstanden habe:

Es ist nicht die tiefe Empathie, die jemanden zum bereitwilligen Opfer macht, sondern emotionale Bedürftigkeit!

Damit geht es zurück zum Thema Traumata.

 

das Opfer
das Opfer

 

Transgenerationale Traumata

Die epigenetische Forschung hat inzwischen nachgewiesen, dass Traumata an die nachfolgenden Generationen weitergegeben werden.

Das bedeutet, dass mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit jeder einzelne von uns unter den Folgen des Kollektivtraumas des Naziregimes und des 2. Weltkriegs leidet. Denn von den Auswirkungen und der damit verbundenen Angst waren alle Menschen in ganz Europa betroffen; Deutsche genau so wie die Bewohner der neutralen Schweiz.

An das Naziregime gekoppelt ist das Kollektivtrauma der schwarzen Pädagogik.

(*8 Johanna Haarer und die schwarze Pädagogik). 

Auch diese war nicht nur ein deutsches Phänomen, sondern in ganz Europa verbreitet. Einige typische Methoden wurden sogar in verschieden europäischen Ländern noch angewandt, als die Deutschen sich längst davon befreit hatten.

Das heisst: Egal wo und wann du aufgewachsen bist, bist du ein/e Betroffene/r.

Die transgenerationalen kollektiven Traumata haben in Jedem und Jeder von uns den Grundstein dazu gelegt, entweder zum Opfer oder zum Täter zu werden.

Denn diese kalte, gefühllose, zu Recht genannte schwarze Pädagogik erzeugte grosse emotionale Bedürftigkeit, Schuldgefühle, Angst und Scham. Der perfekte Cocktail, um gestörte Menschen zu erzeugen!

Warum nicht alle zu toxischen Menschen oder bereitwilligen Opfern wurden?

Weil Menschen eine angeborenene Resilienz haben – d.h. die Fähigkeit, sich trotz widriger Umstände gesund zu entwickeln.

Und weil es normalerweise drei oder mehr Faktoren braucht, um eine Störung oder eine Krankheit zu manifestieren. Wer also Glück hatte und sich geliebt fühlte, Unterstützung fand, positive Bindungen entwickeln konnte, hat gute Chancen, als Erwachsener in einer gesunden Beziehung zu leben.

Wem das alles fehlte,  und/oder wenn weitere, persönliche Kindheitstraumata dazu kamen, hatte weitaus schlechtere Chancen schon deshalb, weil er/sie vermutlich niemals eine gute Beziehung als Vorbild gehabt hat.

 

Hochsensible, Traumata und Persönlichkeitsstörungen

Hochsensible Menschen hatten zumindest dann, wenn die Hauptbezugsperson nicht-hochsensibel war, die zusätzliche Belastung, dass sie vielfach dem völligen Unverständnis ihrer Umgebung ausgesetzt waren.

(siehe auch* 9 Die Einsamkeit von Hochsensiblen)

Allerdings scheinen Hochsensible in aller Regel eine höhere Resilienz zu haben als neurotypische Menschen.

Unter ungünstigen Voraussetzungen entwickeln Hochsensible typischerweise eher passiv-toxische Störungen wie weiblichen Narzissmus oder abhängige Persönlichkeitsstörung; in denen sie ihre Empathie nicht so ausschalten müssen wie bei der männlichen Narzissmusform.

Immer wieder hört man auch maligne Narzissten behaupten, sie seien hochsensibel. Ich bin jedoch überzeugt davon, dass ein Hochsensibler zwar in gewissem Mass seine Empathie unterdrücken kann, niemals aber so sehr, um eine malignen narzisstische PS zu entwickeln, die ja oft psychopathische Anteile hat. Die Behauptung eines solchen NPSlers, in Wirklichkeit hochsensibel zu sein, ist Wunschdenken und ein klassischer Fall für die unreflektierte, falsche Selbsteinschätzung von Narzissten.

Sehr viele narzisstisch gestörte Menschen findet man übrigens nicht nur unter Politikern und Künstlern, sondern auch bei Menschen, die therapeutisch oder in der Pflege tätig sind. Und wo man sie vielleicht am allerwenigsten erwarten würde: In spirituellen Kreisen. gar nicht selten findet man dort narzisstisch gestörte Menschen, die geistig an sich arbeiten, die ein tiefes moralisches Empfinden haben und ihre spirituelle Entwicklung anstreben.

 

Zwei gestörte Partner

in einer Beziehung sind häufiger, als man denkt. Nicht selten finden sich ein maligner Narzisst und ein weiblicher Narzisst in einer Beziehung wieder, wobei sich dann jeder in der Opferrolle fühlt. Die Rolle eines Partners einer solchen kollusiven Beziehung, der als Opfer Hilfe in einer Therapie sucht, ist auch für Psychotherapeuten oft sehr schwer zu durchschauen.

Es gibt alle möglichen Kombinationen von Persönlichkeitsstörungen. Ein Mensch mit einer abhängigen PS ist in einer Beziehung mit einem nicht-gestörten Partner toxisch; ist aber andererseits als Opfer ein idealer Partner für psychopathische Narzissten.

Aber das längere Zusammenleben mit einem toxischen Partner führt unweigerlich dazu, dass der Partner, der zum „Opfer“ geworden ist, ebenfalls Störungen entwickelt – das ist mit dem Begriff „toxisch“ gemeint! Der Partner eines malignen Narzissten braucht sehr häufig therapeutische Hilfe, um seine aus dieser Beziehung stammenden Traumata zu bearbeiten und die Fähigkeit zu erlangen, als gleichberechtigter Partner eine Beziehung zu leben. Auch wenn in anderen toxischen Beziehungen die seelischen Verletzungen nicht so stark sind, hat der Partner doch nach einer solchen Beziehung sehr viel innere Arbeit vor sich, um die in der toxischen Beziehung eingeübten Verhaltensmuster abzulegen.

 

Opfer oder Täter?
Opfer oder Täter?

 

Partner in einer toxischen Beziehung

Wenn du festgestellt hast, dass deine Beziehung toxisch ist, bleibt dir fast immer nur ein Weg: Die Trennung.

Du solltest bereits bei den allerersten Anzeichen deinen Partner darauf ansprechen: Wenn er /sie abfällig mit dir spricht, dich vor anderen runtermacht oder sich über dich lustig macht, dir ein schlechtes Gewissen machen will. Eine Paartherapie ist einen Versuch wert, lass dich nicht davon abbringen, dass du das Verhalten überbewertest, dass das nur Kleinigkeiten seien und du überempfindlich bist. Das bist du nicht!

Bei malignen Narzissten ist es oft so, dass sie zu Beginn der Beziehung den Partner nicht kleinmachen, sondern im Gegenteil auf Händen tragen und verwöhnen in nie erlebtem Ausmass – sie scheinen nur für dich da zu sein und nur noch für dich leben zu wollen. Das ist genau so ein Alarmzeichen wie das Abwerten.

In jedem Fall gehe innerlich auf Distanz zu deinen Gefühlen: Verschmelze nicht empathisch mit den Empfindungen deines Partners, sondern betrachte ihn mit Abstand und nimm dich selbst wahr. Achte auf dich, sorge für dich selbst!

Wenn du dir unsicher bist, ob dein Partner wirklich gestört ist, oder du dir das nicht doch nur einbildest: Die Tatsache, dass du diesen inneren Abstand nehmen musst, weil es dir sonst nicht gut geht, wenn du mit dm Partner mitfühlst, zeigt, dass deine Beziehung keine gleichberechtigte Partnerschaft ist!

Wenn der toxische Partner tatsächlich bereit ist, eine Therapie zu beginnen und diese auch nachweislich kontinuierlich fortsetzt, hat die Beziehung eine Chance – sonst nicht!

Meist gibt es leider nur eine Lösung aus der Opferrolle:  die Trennung.

Auch wenn diese für dich grosse wirtschaftliche oder andere Nachteile mit sich bringt.

Oft ist die einzige Möglichkeit, eine solche Beziehung aufzulösen, eine radikale Trennung, ein totaler Schnitt mit dem bisherigen Leben. Dazu gehört oft für viele Monate – mindestens solange, bis deine Verletzungen geheilt sind, der absolute Kontaktabbruch.

 

Anhang: Linksammlung

wegen der sehr vielen Hinweise zu weiteren eigenen und anderen erklärenden Beiträgen folgt hier eine Liste der weiterführenden Links:

externe Links:

*1 Trauma-Wikipedia

*2 Lexikon Psychologie

*4 Persönlichkeitsstörungen Wikipedia

*5 Kollusion

*6 Jürg Willi, Schweizer Paartherapeut

* 8 schwarze Pädagogik, Johanna Haarer

Links zu weiterführenden Beiträgen:

*3 Beziehung in Schieflage

*7 Fühlst du deine Gefühle?

* 9 Die Einsamkeit von Hochsensiblen

Ergänzende Beiträge zur Thematik:

Hochsensibilität und Paarbeziehung

Der Hochsensible und der Narziss

Der hochsensible Partner -Therapeut oder selbst Gestörter?

Empathie vers. Intuition

hochsensibel oder Narziss?

Missverständnisse über Beziehungen mit narzisstisch gestörten Menschen

Mein Partner ist doch kein Narzisst!

Die Wirkung früher Traumata

Wie wirken Traumata auf Hochsensible?

 

Wie immer freue ich mich über Kommentare!

Wenn du Fragen hast oder Hilfe brauchst nimm HIER Kontakt auf.

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