Hochsensibilität und BeziehungenÜber Hochsensibilität

Missverständnisse über Beziehungen mit narzisstisch gestörten Menschen

Hausfrau

 

Hochsensible in Beziehungen  – das ist ein Dauerbrenner;  mit dem Fokus auf toxische Beziehungen.

Allerdings kommt es immer wieder zu fatalen Missverständnissen – mit teilweise verhängnisvollen Folgen.

Deswegen möchte ich hier auf einige der häufigsten Missverständnisse eingehen:

 

 

Grandiose oder Verdeckte Narzissten?

Seit einiger Zeit werden zunehmend Erfahrungen aus Beziehungen mit verdeckten narzisstisch gestörten Menschen (- in der Folge hier als NPS für narzisstische Persönlichkeitsstörung bezeichnet-) geschildert.

Diese sog. verdeckten Narzissten werden als besonders gefährlich dargestellt; die Folgen einer Beziehung mit einem verdeckten NPSler gelten als die allerschlimmsten überhaupt.

In diesen Berichten wird der Begriff des verdeckten  Narzissmus völlig falsch verwendet!

Die Betroffenen interpretieren den Begriff so, dass der NPSler, (also der narzisstisch gestörte Mensch) nach aussen, in der Öffentlichkeit, die Maske des liebevollen Partners spielt, so dass niemand ahnt, was in der Beziehung tatsächlich abläuft. Wenn der durch die Intrigen und Machenschaften hochgradig gestresste Partner Hilfe holt bei Therapeuten, oder Unterstützung sucht beim Jugendamt für die gemeinsamen Kinder, stellt der NPSler sehr souverän den Partner als psychisch gestört hin. Im Zweifelsfall glauben Therapeuten, Sozialarbeiter und Richter diese Schilderungen. Denn der Verletzte hochsensible Partner ist verständlicherweise ein Nervenbündel, meist für alle sichtbar, während der Npsler grandios die Maskerade aufrecht erhält.

Die betroffenen Partner nehmen an, das sei verdeckter Narzissmus: Niemand würde glauben, dass dieser Mensch ein Narzisst ist.

Das hat aber mit verdecktem Narzissmus nichts zu tun!

Hierbei handelt es sich um malignen oder grandiosen Narzissmus, die beschriebenen Machenschaften gehören zum Gaslighting. ( https://de.wikipedia.org/wiki/Gaslighting )

Der Begriff „grandioser Narzissmus“ bezieht sich auf die grossartige Darstellungskunst; „maligner Narzissmus“ kommt von maligne = bösartig und ist wohl selbsterklärend.

In der Tat ist eine Beziehung zu einem grandiosen/malignen NPSler so ziemlich das schlimmste aller denkbaren toxischen Beziehungsmuster.

Grandiose oder maligne Narzissten haben häufig ausgeprägte psychopathische Züge.

 

(lies dazu auch: hochsensibel oder Narziss?  )

Maskerade
Wer steckt hinter den Masken?

 

Was ist verdeckter Narzissmus?

Psychiater und Psychotherapeuten verwenden heute den Begriff des verdeckten Narzissmus anstelle des früher gebräuchlichen Weiblichen Narzissmus.

Dieser wird sehr häufig weder vom Partner, noch vom Umfeld als narzisstische Störung erkannt.

Ein  verdeckter NPSler ist nicht der grossspurig auftretende Typ, sondern ist eher still; oft sehr fürsorglich und hilfsbereit. Er/sie bleibt oft bescheiden im Hintergrund. Wer würde da an Narzissmus denken?

Das typische Bild entspricht in etwa dem veralteten Rollenklischee der treusorgenden Ehe-und Hausfrau, die sich aufopfert für Kinder, Haushalt und die Karriere des Gatten. (Daher der Begriff weiblicher Narzissmus).

Was macht die narzisstische Störung aus? Die Manipulation, mit der dieser Narzisst den Partner (und die Kinder) kontrolliert. Hier ist die Manipulation aber sehr subtil, oft nur schwer als solche zu erkennen.

Der weibliche bzw. verdeckte Narzisst erzeugt Schuldgefühle, weil er ja der Beziehung zuliebe z.B. auf eine eigene Karriere verzichtet hat; oder mit ins Ausland gegangen ist. Das entspricht auch den Tatsachen – und genau deswegen ist die Manipulation dahinter so schwer zu durchschauen!

Durch dieses feine , im Laufe von meist Jahren sich manifestierende Schuldgefühl verpflichtet der verdeckte NPSler sich den Partner oder auch die Kinder. („Ich habe so viel für dich getan, immer war ich da und habe dich unterstützt, da kannst du mich jetzt doch nicht im Stich lassen!“)

Wenn eine solche Beziehung zerbricht und der Partner den NPSler verlässt, hat er oft lange ein schlechtes Gewissen, ohne zu erkennen, wie die aufopfernde Haltung ihn manipuliert hat. (Deshalb verdeckter Narzissmus!)

Der entscheidende Unterschied zu anderen  Formen von NPS: nichts zu tun!):  Der Partner eines solchen  weiblichen/ verdeckten Narzissten leidet  kaum in der Beziehung, empfindet sie oft als glücklich. Vielen geht erst nach jahren auf, dass sie benutzt worden sind.

Mit den tiefen seelischen Verletzungen, die in einer Beziehung mit einem grandiosen NPSler entstehen, kann das in gar keiner Weise verglichen werden.

So wie Menschen beiderlei Geschlechts eine Grandiose NPS entwickeln können, sind von der Form des verdeckten Narzissmus ebenfalls beide Geschlechter betroffen! – Vermutlich wird auch wegen der dadurch entstandenen Missverständnisse der Begriff des weiblichen Narzissmus heute kaum noch verwendet.

 

 

Narzissten kennen keine Empathie – oder doch ?

Hochsensibler Mensch sucht anderen hochsensiblen Menschen als Partner – das kennt sicher fast jeder.

Man sucht einen Menschen seiner eigenen Art; nichts wünscht man sehnlicher, als wirklich verstanden zu werden!

Und nun lernt man jemanden kennen, der offensichtlich auch hochsensibel ist. Er versteht uns. Er versteht unsere Wahrnehmungen! – Und einem hochsensiblen Menschen kann man ja vertrauen.

Oder?

Genau auf diese Weise geraten viele Hochsensible in die (nächste) Beziehung mit einem Narzissten.

Denn viele Narzissten behaupten von sich, hochsensibel zu sein; bzw. glauben viele selbst daran. Und du, hochsensibler Mensch, denkst: Das kann ja kein Narzisst sein, denn Narzissten haben keine Empathie; er/sie aber spürt ja, wie ich mich fühle.

In diese Falle gehen vor allem diejenigen, die bereits eine Beziehung mit einem NPSler hinter sich haben!

Schuld daran ist eines der verheerendsten Missverständnisse:

Die Behauptung, ein Narzisst empfindet niemals Empathie!

Falsch!

Narzisstisch Gestörte haben sehr wohl Empathie! Aber auch von Empathie gibt es viele Formen.

Jeder NPSler hat die Fähigkeit zur Empathie. Das ist die Voraussetzung zur Manipulation; wüsste er nicht, was der andere empfindet, könnte er ihn niemals in der Weise benutzen, wie er oder sie es tut.

Allerdings setzt ein NPSler seine Empathie für seine Zwecke ein.

Die narzisstische Empathie ist sehr selektiv und extrem egoistisch.

Was andere fühlen, nimmt er wahr, aber es berührt ihn nicht, es lässt ihn vollkommen kalt.

Es ist das Mit-Fühlen, was ihm fehlt.

 

die Last wird immer schwerer

 

Übernommener Narzissmus

Dieses Missverständnis ist gewissermassen das Gegenteil des vorherigen: Dort wiegt der Hochsensible sich in Sicherheit, da der neue Partner sich vermeintlich so empathisch, sogar hochsensibel gibt.

Gar nicht selten ist auch die entgegengesetzte Version: Der Hochsensible beginnt eine Beziehung zu einem Menschen, der sehr verletzlich wirkt und der zuvor in einer toxischen Beziehung mit einem narzisstisch-Gestörten war. Der Hochsensible ist sich dessen bewusst, dass der/die neue Partner/in tiefe Verletzungen aus dieser Beziehung hat.

Aber bald zeigt der neue Partner Verhaltensweisen, die den Hochsensiblen sehr verunsichern: Stimmt die Version des neuen Partners über die frühere Beziehung wirklich? War tatsächlich der Expartner die/der NPSler?

Oder ist etwa die/der neue Partner selbst narzisstisch gestört und hat auf die altbekannte Weise die Tatsachen verdreht dargestellt; trägt nun die Maske des Verletzten ?

Das ist möglich!

Aber bevor du in dieser Situation dich auf der Stelle trennst (- wie es das einzig Sinnvolle ist, falls man tatsächlich an einen grandiosen NPSler geraten ist -), ziehe unbedingt folgende Möglichkeit in Betracht:

Eine der verhängnisvollsten Folgen der Beziehung zwischen einem Hochsensiblen und einem narzisstisch Gestörten ist, dass im Laufe der Zeit der hochsensible Empath als Schutzmassnahme sich Verhaltensweisen des narzisstischen Partners aneignen kann; und dieses Rollenverhalten in der nächsten Beziehung übernimmt – aus Gründen des Selbstschutzes und aufgrund der tiefen seelischen und energetischen Wunden.

Das gilt besonders dann, wenn die letzte, toxische Beziehung noch nicht lange zurückliegt und noch nicht, mit oder ohne therapeutische Hilfe, gründlich aufgearbeitet wurde. Vermutlich ist das eine der tragischsten Folgen einer Beziehung mit einem grandiosen NPSler: Fast hört man ihn zynisch lachen: Noch längere Zeit nach der Trennung wird der hochsensible, empathische Expartner des NPSler nun selbst für einen Narzissten gehalten.

Wie du als neuer Partner den Unterschied erkennen kannst? Leider gar nicht. Es gibt nur eine Lösung: Eine Paartherapie für euch beide.

Ein NPSler wird Ausflüchte suchen, warum er keine Therapie braucht; oder wird Ausreden erfinden, warum er gerade heute nicht kann; er wird ausweichen, wann immer es möglich ist, und nur widerwillig und unter grossem Druck mitgehen. – Bei einem NPSler werden dir in den Sitzungen unweigerlich Widersprüche auffallen. Z.B. gibt er/sie sich plötzlich ganz anders oder stellt die Dinge völlig anders dar.

Ein Hochsensibler mit übernommenem narzisstischen Verhalten wird dankbar jede Möglichkeit zu einer Therpie ergreifen; sehr bereit zur Zusammenarbeit sein; und sehr schnell werden Erfolge sichtbar sein.

Von diesem „übernommenen Narzissmus“ gibt es auch die Variante, dass das Verhalten von einem Elternteil übernommen wurde, welcher die Hauptbezugsperson der Kindheit war.

Ich habe Menschen kennengelernt, die von mehreren Therapeuten einen NPS-Diagnose erhalten hatten und sich bereitwillig in Therapie begeben haben ( „echte“ NPSler lehnen Therapien fast  immer ab, oder brechen sie sehr schnell ab). Und  siehe da, nach einigen Monaten waren sie vollständig geheilt von der angeblichen NPS!

 

 

 Der Narzisst in der Therapie

Zum Schluss noch einige kleinere Missverständnisse. Oft wird behauptet; eine NPS sei nicht therapierbar.

Das stimmt nicht. Gemeint ist vielmehr, dass sie nicht heilbar ist.

Der grösste Therapieerfolg ist, dass der NPSler lernt, so mit seiner Störung zu leben, dass er in Beziehungen zu anderen Menschen leben kann, ohne diesen durch die NPS zu schaden.

Die meisten NPSler stimmen einer Therapie erst dann zu, wenn sie ganz unten angekommen sind und nicht mehr ein noch aus wissen. Oft brechen sie die begonnene Therapie dann nach kurzer Zeit ab, um sie oft erst einige Jahre später wieder aufzunehmen.

Das heisst, schnelle Erfolge sind nicht zu erwarten.

Abschliessend will ich darauf hinweisen, dass längst nicht jeder NPSler ein grandioser Narzisst ist.

Es gibt eine Menge diagnostizierter NPSler, deren Persönlichkeitsstörung vergleichsweise so gering ist, dass sie in einer Beziehung zwar den Partner vor viele Herausforderungen stellen; aber es ist durchaus möglich, das Leben mit ihnen zu teilen, ohne sich selbst aufzugeben.

 

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Jutta Administrator
Mein Name ist Jutta Jorzik-Oels, als Berater und Coach bin ich spezialisiert auf Hochsensibilität. Ich helfe hochsensiblen Menschen in Krisensituationen.

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