Raus aus der narzisstischen Beziehung

Ausgang aus der Beziehung
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Jutta AdministratorKeymaster
Mein Name ist Jutta Jorzik-Oels, als Berater und Coach bin ich spezialisiert auf Hochsensibilität. Ich helfe hochsensiblen Menschen in Krisensituationen.

Viele Klientinnen kommen in grosser Not zu mir in die Beratung. Auf meine Frage, was ich für sie tun kann, höre ich regelmässig: „Mein Partner ist Narzisst. Ich weiss nicht, was ich machen soll….“

(Ob der Partner wirklich ein Narzisst bzw. ein Mensch mit einer narzisstischen PS ist, ein Soziopath oder Psychopath, oder nur ein riesengrosses Ar…, ist übrigens nicht von Bedeutung.)

Im weiteren Gespräch folgen Erläuterungen wie:

„Jetzt hat er mich auch noch bei meiner besten Freundin schlecht gemacht.“

„Er hat mir gedroht, mir das Kind wegzunehmen, wenn ich ihn verlasse.“

„Ich habe oft Angst vor ihm, wenn er Wutanfälle hat, er hat mich schon öfter geschlagen.“

„Er kontrolliert mich auf Schritt und Tritt; er liest meine Post, meine Nachrichten und meine Telefonliste auf dem Handy. Ich darf nirgends alleine hingehen.“

„Ich habe schon so oft über Trennung nachgedacht, aber ich habe solche Angst, dass er dann völlig ausrastet.“

Fast immer enden die Berichte mit der verzweifelten Frage: „Was soll ich denn nur tun?“

Wenn die Beziehung derart eskaliert ist wie in den aufgeführten Beispielen, gibt es auf diese Frage nur eine mögliche Antwort:

„Trenne dich!“

Manche reagieren darauf mit dankbarer Erleichterung – so, als bräuchten sie die Erlaubnis von einem professionellen Berater, um einen solchen Schritt zu vollziehen. Andere erwidern betroffen, dass sie damit lieber noch warten.

Warten worauf?

Worauf wartet ein Mensch, der vom Partner manipuliert, bedroht, hintergangen, ausgenutzt wird?

Dass er sich ändert. Denn er -oder sie- ist ja zu Beginn der Beziehung ganz anders gewesen, nämlich liebevoll. Also ist eine Rückverwandlung doch auch möglich. Denn so wie er ( -oder sie-) sich jetzt präsentiert, das ist ja nicht sein wahres Gesicht.  Man muss nur den richtigen Dreh finden, um diese Rückverwandlung herbeizuführen.

Die Anleitung dazu erhoffen sie sich vom Coach.

Ein tragischer Irrtum

Tatsächlich kommen immer wieder Menschen zur Beratung in der Erwartung, dass ich ihnen sage, was genau sie tun sollen, damit der Partner sich ändert. Es handelt sich dabei meist um Menschen, deren Partner gewalttätig, Alkoholiker oder maligne Narzissten sind. Und alle sind sehr betroffen, wenn ich ihnen mitteilen muss, dass sie Unmögliches erwarten.

Kein Mensch kann einen anderen Menschen ändern! Das ist der folgenschwerste Beziehungs-Irrtum, zu denken: „Er hat zwar diese Marotte, aber wenn wir zusammenleben, ändert er sich bestimmt.“ Oder: „Das werde ich ihr abgewöhnen“.

Hoppla! Aber genau das hat der narzisstische Partner doch getan, nämlich aus seinem ehemals strahlenden, selbstbewussten Partner ein verängstigtes Wesen gemacht.

Das ist richtig. Ein Narzisst ist in der Lage, seinen Partner seelisch so schwer zu verletzen, dass dieser wie ein anderer Mensch wirkt. Das ist keine Änderung im o.e. Sinn.

Ja, aber! Der narzisstische Partner hatte sich ja schon einmal gewandelt, nämlich von dem liebenswürdigen, empathischen Menschen, der er (-oder sie-) zu Beginn der Beziehung war, in diesen toxischen Menschen. Demnach handelt es sich ja nicht um eine grundlegende Änderung, sondern um eine Rückverwandlung, das ist doch etwas ganz anderes!

Leider ist das eine Täuschung, so fern es sich um einen Menschen mit einer pathologischen narzisstischen Störung handelt.* Denn das toxische, manipulative Verhalten – alles, was dich ihn (-oder sie-) als toxisch erleben lässt, ist Hauptbestandteil der narzisstischen Persönlichkeit; anders als die Liebenswürdigkeit, die nur als Mittel zum Zweck eingesetzt wird.

*Nicht jeder Mensch, der plötzlich toxische Verhaltensweisen zeigt, ist ein pathologischer Narzisst.

Kann ein Narzisst sich ändern?

Im Prinzip ja. Theoretisch. Es ist bis heute umstritten, ob die narzisstische Störung heilbar ist. Die Voraussetzung ist zunächst, dass der Betroffene selbst einen starken Leidensdruck empfindet und einen Psychiater aufsucht, um eine Diagnose zu erhalten und eine Psychotherapie zu beantragen. Dieser Leidensdruck muss in ihm selbst entstehen; also keinesfalls als Reaktion auf deine Trennungsabsicht! Denn das würde nicht tragen.

Die Therapie ist ein jahrelanger, sehr steiniger Weg. Die meisten brechen zwischendurch ab, um oft nach vielen Monaten weiter zu machen. Denn in der Therapie wird der Narzisst mit seinen tiefsten Verletzungen konfrontiert, mit dem, was diese Persönlichkeitsstörung ausgelöst hat. Die Konfrontation mit diesem Schmerz ist für viele nicht zu ertragen. Die meisten Therapeuten, die Erfahrungen mit Narzissten haben, sagen, dass der Narzisst in der Therapie lediglich lernen kann, mit der Störung zu leben und andere Menschen nicht mehr zu verletzen; heilen lasse sich die Störung nicht.

Es gibt allerdings auch grandiose Narzissten, die das, was sie in der Therapie über sich gelernt haben, einsetzen, um noch raffinierter, noch verdeckter zu manipulieren als zuvor.

 

Zeit zu gehen

Warte keinen Tag länger

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Wenn die Beziehung derart eskaliert ist, wie in den oben aufgeführten Beispielen, gibt es auf diese Frage  nur eine mögliche Antwort: „Trenne dich!“

Denn dein Partner wird sich nicht ändern.  Aber die Beziehung wird mit grosser Wahrscheinlichkeit immer schlechter werden.  Wenn jemand in dieser Beziehung sich ändert, dann du! Du wirst immer mehr zurückstecken. Du wirst selbst narzisstische Verhaltensweisen annehmen, um in der Beziehung überleben zu können. 

Deshalb: Trenne dich, solange du noch kannst; solange dein Selbstwertgefühl und deine Selbstliebe noch stark genug sind!

Trenne dich, am besten sofort!

Such dir eine Wohnung und ziehe aus. Nimm dir anwaltliche Unterstützung, um unangenehme rechtliche Folgen zu vermeiden. (Wenn du gemeinsam mit dem Partner einen Mietvertrag unterschrieben hast, bleibst du als Mieter trotz Auszugs in der Verpflichtung.) Wenn es gemeinsame Kinder gibt, lasse dich unbedingt von einem Anwalt beraten, der Erfahrung hat mit toxischen Beziehungen! Wenn dir schon im Voraus diese Schritte Angst machen, oder wenn du Angst hast vor seiner Reaktion auf die Ankündigung deines Auszugs, packe einen Koffer und geh ins Frauenhaus!

Einmal erwiderte eine Klientin auf diesen Rat: „Dann wird er so wütend, dass er wahrscheinlich die Möbel zerschlägt.“  Ja, das ist möglich.

Finanzielle Folgen

Wenn du dich von einem narzisstischen Partner trennst, wirst du möglicherweise mehr oder weniger grosse finanzielle Schäden davontragen.

Immer wieder stelle ich fest, dass Geld ein sehr wichtiger Grund ist, dass Menschen sich nicht aus toxischen Beziehungen lösen. Denn die Trennung ist häufig mit finanziellen Verlusten verbunden für den, der geht; manchmal mit sehr erheblichen. Denn auch das ist typisch für eine Beziehung mit einem narzisstisch gestörten Menschen: Auf die eine oder andere Weise profitiert er materiell vom Partner. Oft hat er (-oder sie- ) es über Jahre hinweg arrangiert, sich Vorteile zu verschaffen. Leiht sich z.B riesige Summen Geld, oder überredet den/die Partnerin zum Kauf einer Wohnung, lässt sich ins Grundbuch eintragen als Miteigentümer, obwohl das Kapital vom Partner kommt und dieser allein den Kredit tilgt.

Häufig lässt er/sie sich auch jahrelang aushalten vom anderen und lebt vollständig auf dessen Kosten. Öfter habe ich gehört von Frauen mit meist jüngeren Kindern: „Nee, wirklich nicht, bei mir ist nichts zu holen; ich lebe ja nur von Unterhalt und Grundsicherung, wie soll er sich da bereichern?“  Es stellte sich dann beispielsweise heraus, dass er mietfrei mit in der vom Sozialamt bezahlten Wohnung lebte; natürlich nicht offen, damit die volle Grundsicherung gezahlt wurde.

Und was ist mit den grandiosen Narzissten, die selbst gut verdienen und vermögender sind als der Partner? Viele lassen ihre Partner unbezahlt Hilfsarbeiten verrichten, oder sie profitieren von den Kontakten des Partners, die dieser vermittelt. Oft wären sie gar nicht an ihre Position gekommen ohne die Hilfestellung des Partners.

Wenn das Thema „finanzieller Verlust durch Trennung“ zur Sprache kommt, frage ich die Klienten, wie ihr Leben in ihren Wunschträumen aussieht in einem Jahr, in fünf oder in zehn Jahren. Die Beantwortung dieser Fragen hat ganz viel mit persönlichen Werten und Zielen zu tun. Sie hilft vor allem, zu erkennen, was wichtig ist und was nicht wichtig ist.

Stell dir vor, du denkst in den letzten Tagen deines Lebens auf die schönen Dinge zurück, die dein Leben lebenswert gemacht haben. Meinst du wirklich, dass du dich dann an ein Möbelstück erinnerst?

Geld ist nur Geld. Möbel lassen sich ersetzen. In Frieden zu leben; wertgeschätzt von den Menschen in deiner Umgebung, ohne Angst, ohne seelische oder sogar körperliche Misshandlungen, sollte dir mehr wert als ein schönes Haus mit teuren Möbeln.

Hier geht’s in die Zukunft

Nach der Trennung

Sobald die äussere Trennung vollzogen ist, solltest du beginnen, dich auch innerlich zu lösen. Dieser Prozess dauert meist viel länger als die äussere Trennung.

In fast allen Fällen ist ein totaler Kontaktabbruch anzuraten.*

Und wenn der Partner stalkt wie in einem Fall, der mir kürzlich berichtet wurde?

„Wir sind schon 9 Monate getrennt, aber er verfolgt mich ständig; wartet vor der Haustür, bis ich komme; schickt  jeden Tag unzählige SMS, ruft an…“

Blockiere ihn oder sie, nimm keine Anrufe und Nachrichten an; nichts.* Beantrage ein richterliches Annäherungsverbot.

*Wenn ihr gemeinsame Kinder habt, ist das nicht möglich. Lasse dann jeden Kontakt, jede Übergabesituation über einen zuverlässigen Freund herstellen, vermeide persönliche Kontakte. Bestehe darauf, dass vereinbarte Treffen mit den Kindern wirklich exakt eingehalten werden; lasse dich keinesfalls auf Änderungen von Tagen oder Uhrzeiten ein.

Je eher es gelingt, alle Kontakte zu vermeiden, desto eher wirst du auch innerlich befreit.

Viele Menschen, die es geschafft haben, sich äusserlich zu trennen, schaffen die innere Lösung vom toxischen Partner viele Jahre nicht. Sie haben Nachrichten erhalten vom Ex-Partner, der nun furchtbar leidet. Das ist die Falle, in die du geraten kannst, wenn du persönlichen Kontakt weiterhin zulässt. Du hast diesen Menschen sehr geliebt; die emotionale Lösung, das Entlieben, nimmt etwa ein Jahr in Anspruch. Wenn du nun hörst, dass es deinem Expartner schlecht gehst, hast du verständlicherweise tiefes Mitgefühl.

Mitgefühl und Verständnis

Mitgefühl – nicht Mit-Leid! – ist etwas Positives. Aber du bist gerade sehr verletzlich; hast viele emotionale Wunden aus der Beziehung davongetragen, die heilen müssen. In dieser Situation sollst du, ja musst du zuallererst mit dir selbst Mitgefühl haben. Zum Heilungsprozess, zur Lösung aus einer toxischen Beziehung gehört, zu lernen, sich gut um sich selbst zu kümmern, bevor man für andere da ist.

Sicher, dein Ex-Partner ist letztlich auch ein Opfer; aber ihm Verständnis und Mitgefühl entgegenzubringen, ist nicht deine Sache! Für seine Unterstützung oder  Therapie bist nicht du zuständig!

Das Verlassen einer toxischen Beziehung ist immer schwierig. Die Trennung gelingt nur, wenn sie wirklich komplett und radikal vollzogen wird, wenn sämtliche Verbindungen gekappt werden.

Wenn du in einer toxischen Beziehung bist und Hilfestellung zur Trennung oder in der Trennungsphase benötigst, sieh dir gerne mein Angebot an.

Schau dir auch meinen Beziehungsrageber für Hochsensible an:

„Der Hochsensible und die Liebe – Grundlagen, Chancen und Fallstricke“

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