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Entdeckungsreise zur inneren Urgrossmutter

Veröffentlicht
aus dem Leben einer FRau
Lesezeit ca: 10 Minuten
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Jutta AdministratorKeymaster
Mein Name ist Jutta Jorzik-Oels, als Berater und Coach bin ich spezialisiert auf Hochsensibilität. Ich helfe hochsensiblen Menschen in Krisensituationen.

Hast du schon Bekanntschaft mit deinem inneren Kind gemacht? Es vielleicht sogar schon geheilt?

Das innere Kind muss geheilt werden, keine Frage.

Aber ich glaube, es ist so weit, nun auch unsere inneren Urgrossmütter zu heilen!

Weil sie, gemeinsam mit ungezählten anderen Vorfahren tief in mir verborgen ist mit denjenigen ihrer Traumata, sie sie selbst nicht transformiert hat. Nun ruft sie mich auf, sie zu heilen!

Dass das tatsächlich so ist, kann die Erforschung der Epigenetik inzwischen nachweisen: Unsere Gene bestehen zu 90% aus epigenetischen Prägungen – was nichts anderes heisst als die Wirkungen der Traumata unserer Ahnen.

 

 

Als plötzlich meine Urgrossmutter in Erscheinung trat

Das geschah, als ich mich mit meinem letzten Beitrag beschäftigte: Angst und Depression  und den Ursachen. Wenn du auch hochsensibel bist, weisst du, was „mit einer Sache beschäftigen“ bedeutet:

Nämlich dass es permanent im Hintergrund arbeitet, egal, was man vordergründig grade tut.

Denn die eigentliche Ursache für Angststörungen sind Traumata; in aller Regel frühe Entwicklungstraumata. Diese zu verarbeiten, gibt es viele Möglichkeiten. Damit werden die irrationalen Ängste und Furchtzustände, die dadurch verursacht wurden, aufgelöst.

Oder doch nicht? Häufig bleiben nämlich nach erfolgter und erfolgreicher Traumatherapie immer noch zum Teil merkwürdige, irrationale und unerklärliche Ängste zurück.

Oder Mütter beobachten eigenartige Ängste bei ihren jungen Kindern, die nachweislich keine traumatischen Erlebnisse hatten, die solche Reaktionen erklären könnten.

Wie zum Beispiel der kleine Junge, der jahrelang nicht freiwillig zum Spielen raus ging; und wenn, nur „bewaffnet“ mit einem Holzschwert; weil er Angst hatte, draussen warten andere, grosse Jungen und Männer, die ihn umbringen. Weder ging dieses Kind in den Kindergarten, noch gab es einen Fernseher in der Familie, noch aggressive Kinder in der Nachbarschaft, und niemals war etwas vorgefallen, was die Ängste hätte erklären können.

 

 

Transgenerationale Traumata

Seit einiger Zeit wird viel geforscht über transgenerationale Traumata, und das ist gut so.

Man kann nachweisen, dass Traumata bis in die vierte Generation weitergegeben werden; vermutlich sehr viel weiter: Es  ist sogar die Rede von der Wirkung bis in die siebte Generation.

Darüber hinaus gibt es karmische Traumata  – so will ich es mal nennen.

 

Karmische Traumata

Als karmische Traumata bezeichne ich nicht verarbeitete ,gravierende traumatische Erlebnisse in vergangenen Inkarnationen. Diese können als Erinnerungsfetzen wie Gespenster in der Seele wirken.

Sie machen sich ebenfalls bemerkbar durch irrationale, unerklärliche Ängste. 

Ich selbst hatte als kleines Kind lange Zeit Angst, einzuschlafen bzw. davor, die Augen zu schliessen. Ich hatte entsetzliche Angst, es würde jemand kommen und mir die Augen ausstechen; ich träumte davon, dass ganz plötzlich ein Messer in meine Augen eindrang.

Ein Mädchen träumte als Kind häufig, wie sie erstickt wird, indem sie mit einer Schnur erdrosselt wurde.

Karmische Traumata scheinen häufig mit Folter und sehr gewaltsamem Tod in Verbindung zu stehen.

Möglicherweise machen die Ängste, die durch karmische Traumata entstanden, sich vor allem in Träumen bemerkbar.

Bei dem oben beschriebenen Fall des Jungen, der nur mit seinem Holzschwert rausging, könnte es sich sowohl um ein karmisches als auch um ein transgenerationales Trauma handeln.

Ich habe nur mit relativ wenigen Menschen über solche irrationalen Ängste gesprochen, die entweder auf karmische oder aber transgenerationale Traumata hinweisen und bei denen frühe Traumata ausgeschlossen sind.

Auffallend ist, dass alle diese Menschen hochsensibel sind.  Was bedeutet das? Eine Erklärung ist, dass bei Hochsensible sich meist viel weiter und viel genauer an ihre frühe Kindheit, sogar bis ins Säuglingsalter zurück erinnern.

 

Transgenerationale Traumata und Hochsensibilität

Obwohl seit Jahren zweifelsfrei feststeht, dass Hochsensibilität angeboren ist und nicht verursacht wird durch frühe Traumata, wird diese Tatsache immer wieder in Frage gestellt. Da erwiesen ist, wie sehr die Gefühle und Gedanken der werdenden Mutter auf den Fötus wirken, werden nun von einigen Forschern vorgeburtliche Traumata als Auslöser der Hochsensibilität angenommen.

Ich frage mich mittlerweile: Kann es sein, dass Hochsensibilität verursacht wird durch transgenerationale Traumata? Wenn diese durch 5, 6 oder 7 Generationen weitergegeben werden, würde das auch erklären, warum Hochsensibilität erblich ist.

Von meinen Urgrosseltern aus gerechnet bin ich die 4. Generation. Über frühere Generationen unserer Familie ist nichts bekannt. Über meine Urgrossväter und -grossmütter recht wenig. Sie spielen keine Rolle in meinem Alltag; ich denke nie an sie, weiss weder Geburts- noch Todestage.

Warum taucht nun plötzlich diese eine Urgrossmutter auf? Sie lässt mich nicht in Ruhe, nötigt mich dazu, mich mit ihr zu befassen.

Es muss damit zu tun haben, dass ich seit langer Zeit das Thema Traumata, transgenerationale Traumata und Kollektivtraumata in mir bewege.

 

 

Was will meine Urgrossmutter von mir?

vergangene Generationen
Vergangene Generationen

 

Meine Urgrossmutter ist lange vor meiner Geburt gestorben. Es gibt eine einzige Fotografie von ihr; ein kleines vergilbtes Portraitfoto. Ihr Alter auf dem Foto ist schwer zu schätzen; sie sieht verhärmt aus; ein Frau, die von Sorge bedrückt war. 

Wenn ich sie vor mir sehe, fühle ich Schmerz. Ich fühle ihren Schmerz.

Was hat ihr Schmerz mit meinem Schmerz zu tun?

Schmerz, der mich von Kindheit an begleitete; von klein an gefühlt als ein schmerzhaftes Ziehen im Herzen, eine Trauer um etwas Unbekanntes, eine unbestimmte Sehnsucht nach etwas Unbekanntem.

Greifbar in meinem Leben wurde dieser Schmerz nur in bestimmten Situationen: Bei jedem Abschied. Egal, ob meine Eltern oder später mein Sohn allein auf Reisen gingen, oder ob ich ich selbst wegfuhr: Jedes einzelne Mal spürte ich diese unerklärliche Angst, diese Menschen nie mehr wiederzusehen.

Mit dem Thema transgenerationale Traumata beschäftige ich mich schon länger, angefangen mit dem kollektiven Kriegskindertrauma.

So wurde mir klar: Dieser Schmerz ist gar nicht meiner. Ich habe ihn geerbt. Geerbt von meiner Mutter, die im Krieg zwei Brüder und ihren Verlobten verlor; die beimAbschied nach jedem Fronturlaub ihrer Brüder und ihres Verlobten fürchtete, dass diese nie wiederkommen.

Aber nun steht die Urgrossmutter vor mir. Und ich nehme genau diesen unbestimmten Schmerz – diese Furcht, geliebte Menschen zu verlieren; die Furcht, dass dieser Abschied endgültig ist, in ihren Augen.

Was, wenn solche ererbten Gefühle sich erst dann manifestieren, wenn verschiedene transgenerationale  Traumata von mehreren Ahnen zusammenkommen?

Wenn diese Beklemmung, dieses  spezielle Ziehen im Herzen, die ich bis heute spüre bei jedem Abschied – und wenn ich nur für zwei Tage die Hunde in der Tierpension lassen muss –  gar nicht nur die Angst meiner Mutter ist? Wenn sich dazu die Furcht, Trauer und Sorge meiner Ahnin gesellt, die ihre ganze Familie in der Heimat zurückliess? Und die wer weiss wie vieler anderer Vorfahren?

Ich ahne, dass es so ist. Was sagst du dazu, Urgrossmutter?

Aber es ist da so viel mehr. So viele unerlöste Gefühle.

 

 

Unerlöste Gefühle

Die mit einem Trauma verbundenen Gefühle sind immer „negative“, also unerwünschte Gefühle wie Angst, Scham, Wut.

Was aber wäre, wenn auch Wünsche, Sehnsüchte, Hoffnungen vererbt werden? Solche, die das Leben unserer Vorfahren sehr stark bestimmten, und die sich nicht erfüllt haben, so dass sie diese mit in den Tod nahmen?

Wenn Traumata durch Generationen hindurch vererbt werden, dann vererben die Ahnen vielleicht auch andere starke unerlöste Gefühle?

Ist das so? Meiner Urgrossmutter gefällt dieser Gedanke. Immer deutlicher tritt sie hervor aus dem Dunkel der Vergangenheit. Sie lässt sich nicht mehr wegschieben. Sie will, dass ich ihr zuhöre.

 

 

Die Geschichte der Urgrossmutter

Ich werde häufig gefragt, wie ich nach Finnland gekommen bin.

Die Gründe dafür waren sehr vielschichtig. Einige waren offensichtlich. Andere wurden mir nach und nach bewusst, als ich begann, mich mit meiner eigenen Hochsensibilität auseinanderzusetzen. Und einige Gründe gingen mir erst auf, als meine Urgrossmutter mit mir sprach.

Denn vor etwa 150 Jahren beschlossen meine Urgrosseltern, ihre Heimat zu verlassen und in ein fremdes Land zu gehen. Als ich ihrer Geschichte folgte, verstand ich, was mich, seit ich zum ersten Mal in Finnland war, magisch angezogen hat; warum ich dieses Land immer als meine Seelenheimat empfand.

Sie lebte mit ihrem Mann, meinem Urgrossvater, in Masuren – einem wunderschönen Land mit blauen Seen und weitem Himmel, das Finnland landschaftlich so sehr gleicht.

Der Urgrossvater war Landarbeiter auf einem der grossen Güter dort. Sie waren noch jung, als sie, wie viele andere auch, den Werbern folgte, die von Gut zu Gut zogen und die Arbeiter weglockten. Weit fort, mehr als 1000 Kilometer nach Westen, dorthin, wo in der beginnenden Industrialisierung Kohlezechen zum Untertagebau gegründet wurden; und die benötigten Arbeiter in Ostpreussen geworben worden.

Meine Urgrosseltern folgten dem Ruf und machten sich auf in ein unbekanntes Land und eine unbekannte Zukunft.

 

Landschaft in Masuren
Landschaft in Masuren

 

 

Die Hoffnung meiner Ahnen

Was mag sie dazu bewegt haben? Armut? Abenteuerlust? Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft?

Was konnten sie mitnehmen auf diese lange Reise? Nur ein kleines Kleiderbündel, oder viele Koffer mit Hausrat? Wie beschwerlich war die lange Reise, wie legten sie sie zurück?

Vor allem aber: Wen liessen sie zurück; von wem mussten sie Abschied nehmen? Hatten sie viele Geschwister, lebten ihre Eltern noch?

So viele Fragen, auf die es keine Antwort gibt. Meine Urgrossmutter erlebte zwei Weltkriege, in denen alles, was es an Erinnerungen gegeben haben mag, zerstört wurde.

Ob ihnen klar war, dass sie ihre Verwandten und ihre Heimat niemals wiedersehen würden?

Was für Erwartungen hatten sie? Welche Vorstellungen? Welche Wünsche und Hoffnungen hatten sie?

Nein, ich weiss es nicht – aber ich bin ganz sicher, dass sie die weite Reise in freudiger Erwartung antraten.

 

Der Ort, an dem sie schliesslich landeten, hiess Rotthausen. Knapp 100 Jahre später sah dieser Ort genau so aus, wie der Name verheisst: Russgeschwärzte Häuser, der Himmel verdeckt durch Kohlenstaub,  die vorherrschende Farbe ist Anthrazit; und die Luft riecht nach Russ.

Hier erblickten die 5 Kinder – 3 Töchter und 2 Söhne – meiner Urgrosseltern das russverschattete Licht der Welt. – Haben die Eltern ihnen von dem Land mit dem weiten Himmel und den vielen Seen erzählt? Ich weiss es nicht. Ich weiss nur, dass keines dieser Kinder jemals die Heimat der Eltern gesehen hat.

Was für Hoffnungen hatten die Eltern für ihre Kinder? Wie erlebten Urgrossmutter und Urgrossvater das Leben in der neuen Heimat? Hatte sie Sehnsucht nach der weiten, offenen Landschaft mit den blauen Seen?

Die beiden Söhne mussten, kaum erwachsen, in den Krieg ziehen. Wie erging es ihnen da? Der ältere, der später mein Grossvater wurde, kehrte zurück mit Granatsplittern im Körper. Der jüngere Sohn kehrte nicht zurück, er blieb im Krieg. 

Mein Grossvater wurde wie sein Vater Bergmann – er verbrachte seine Tage unter Tage – in den finsteren Kohlestollen tief in der Erde. So lange, bis er wegen seiner Staublunge berentet wurde. Statt des weiten Himmels über sich sah er nur Dunkelheit über sich, statt der klaren Luft atmete er die staubige, muffige Luft tief unter der Erde.

Was hatte die Urgrossmutter sich wohl für ein Leben gewünscht für ihre Kinder, für ihren überlebenden Sohn?

Nicht dieses! Denn nun fordert sie mich auf, auch die Traumata vom Urgrossvater und Grossvater zu heilen:

 

 

Sehnsucht nach Licht

Gerade jetzt wird mir bewusst, woher mein immerwährendes Bedürfnis nach Licht; nach klarem Himmel, meine Angst vor Dunkelheit, dunklen Räumen, mein echter Horror vor fensterlosen Räumen stammt. Niemals kann und konnte ich schlafen bei geschlossenen Vorhängen. Egal wo ich bin, wie hell es draussen auch sein mag, immer muss ich durch das Fenster den Himmel sehen können, auch in der Nacht.

Und nun kommen mir die Tauben in den Sinn!

Mein Grossvater hatte einen Taubenschlag. Dieses Hobby teilte er mit vielen anderen Bergleuten; von denen ja sehr viele ebenfalls aus den weiten Landschaften Ostpreussens ins Revier geholt worden waren. In den Bergmannssiedlungen gab es bis in die 1960er Jahre unzählige Taubenschläge.

Entsprang dieses Hobby, Brieftauben zu züchten, der kollektiven Sehnsucht der Bergleute nach Licht, Luft und Himmel? Sie selbst mussten einfahren in die Dunkelheit der Zechen, Tag für Tag. Waren die Tauben ein Ersatz; sollten sie als Symbol der Sehnsucht nach Freiheit hinausfliegen in die Welt?

 

Zechenstadt
Gelsenkirchen – Rotthausen

 

Doch ich weiche ab, zurück zur Geschichte der Vorfahren: Mein Vater, Sohn und Enkel von Hauern, dem dieses Schicksal erspart bleiben sollte, ging aufs Gymnasium und wollte studieren. Er wurde direkt nach dem Abitur eingezogen und in den Russlandfeldzug geschickt. Er kam physisch und psychisch schwerstverwundet zurück; bis zu seinem Lebensende sollte er sich nicht davon erholen.

Zurück zur Urgrossmutter. Sie war eine stille, schweigsame Frau, die nie richtig deutsch gelernt hat. Wie gut konnte sie überhaupt mit ihren Kindern und später mit ihren Enkeln kommunizieren, die alle ausschliesslich deutsch sprachen? Wie viele Worte blieben ungesagt? Mein Grossvater erwähnte sie niemals. Mein Vater, ihr Enkel, selten.

Auch das Leid des 2. Weltkriegs und das Fallen ihrer Schwiegersöhne musste meine Urgrossmutter erleiden.

Trauer, Angst  und Schmerz hinterlassen stärkere Eindrücke als Wünsche, Hoffnungen und Sehnsüchte.

Was auch immer meine Urgrossmutter gehofft, gewünscht hat für sich, für ihren Mann, ihre Kinder und ihre beiden Enkel; all ihre Sehnsüchte nahm sie mit ins Grab.

 

 

Warum gerade diese Urgrossmutter?

Warum ist gerade diese Urgrossmutter auf einmal so präsent, 75 Jahre nach ihrem Tod?  Warum keine der drei anderen Urgrossmütter, aus deren Leben zum Teil viel mehr überliefert wurde? Hatte sie mehr eigene Traumata als die anderen Ahnen?

Diese masurische Urgrossmutter ist die Grossmutter meines Vaters, von dem ich meine Hochsensibilität geerbt habe. Vieles in ihrem Leben durfte sie nicht ausleben. Ihre Hoffnungen und Wünsche musste sie unterdrücken. Sie hatte nur die Möglichkeit, diese wie Gespenster weiterzugeben an ihre Nachkommen, um Erlösung zu finden.

Nun weine ich ihre Tränen über den ewig russigen Himmel, über den Verlust ihrer Heimat:  damit sie ihre Ruhe findet.

Denn diese Trauer, die Tränen, die aus meinen Augen fliessen, ist nicht meine Trauer, sind nicht meine Tränen.

 

 

Immer im Fluchtmodus

Wenn auch du auf Entdeckungsreise zu den inneren Ahnen gehen magst: Du wirst wunderbare und vielleicht sehr erstaunliche Erkenntnisse gewinnen.

 Erinnere dich doch mal an deine frühesten Wünsche, Sehnsüchte; an deine Ängste: Woher stammen sie?

Warum zieht es dich mit aller Kraft in eine bestimmte Landschaft; warum hast du eine Vorliebe oder Abneigung gegen bestimmte Gerüche?

Warum weinst du, wenn jemand von bestimmten Dingen spricht, ohne zu wissen, warum?vielleicht sind es nicht deine Tränen Vielleicht sind das die Tränen eines Ahnen?

Warum hast du merkwürdige Macken?

 

 

Nur zur Sicherheit

Hast du gerne Vorräte für eine dreimonatige Belagerung im Haus? Sammelst du gerne Gummibänder und sonstiges Verpackungsmaterial, was man noch mal brauchen kann?

Gehörst du zu denjenigen, die immer ihren halben Haushalt mitschleppen, wenn sie Freunde treffen oder ins Kino gehen?
Nur für alle Fälle, es könnte ja mal was sein…
Ausweispapiere, Bankkarten, die wichtigste Körperpflege, Schmerztabletten (die man höchstens 1x jährlich braucht), Rescue Remedy, Oberteil zum Wechseln……

Für welchen Fall eigentlich?
Na ja, es könnte Sturm kommen. Oder Nebel. Irgendwas, dass man nicht nach Hause kommt und woanders übernachten muss.
So genau denkt man nicht nicht drüber nach, ist ja nur für alle Fälle.

Zur Sicherheit.

Wenn dir das bekannt vorkommt, leidest du mit ziemlicher Sicherheit an transgenerationalen Traumata: Geerbt von deinen Eltern und Grosseltern, die den Krieg erlebt haben.
Bei denen der gepackte Rucksack immer bereit stand.

Die den Hunger erlebt haben; Zeiten, in denen es nichts gab, auch nicht für viel Geld.

Die Vorfahren, für die Leben Überleben hiess. Für die leben kämpfen bedeutete.

 

 

Heilung

Die Bedeutung dieser transgenerationalen Traumata ist immer ein Aufruf  zur Heilung.

Zur Heilung der Vorfahren, und damit uns selbst zu befreien.

Bei dieser Heilung geht es um weit mehr als um unser persönliches Leid: Wenn es gelingt, die Wunden unserer Vorfahren zu heilen; die Traumata unserer Ahnen zu transformieren,  wird die Welt friedlicher werden,  weil die Seelen im Jenseits ruhiger sein können.

Darum geht es: Um Versöhnung mit dem Schicksal ganzer Generationen; Frieden schliessen mit der Vergangenheit.

 

 

Frieden finden

Frauenportrait
historisches Frauenportrait

 

Dieses wunderbare Gedicht ist von Christine Hammes-Tomas, die mir freundlicherweise erlaubt hat, es hier zu veröffentlichen:

 

Mutter

Du sollst nicht traurig sterben – Mutter
nach deinem langen Leben.
Es hat, ich weiß, nur selten Glück
für dich darin gegeben.
Als du mir sangst „Die Wilden Schwäne“
am Kinderbett, da fühlt ich sie:
In deiner Seele endlos Tränen
geweint aber hast du sie nie
Es bleibt uns nicht mehr lange Zeit
für alle Tränen reicht es nicht.
Dein Leid ist auch mein eignes Leid
ich weine sie für dich.
Ein Teil der Tragik lebt in mir
und unsren nächsten Erben.
Du sollst nicht traurig sterben – Mutter
sonst sterben wir mit dir.
Anmerkung: Während ich an diesem Beitrag arbeitete, kam die Corona Pandemie in Europa an. Was das mit transgenerationalen Traumata zu tun hat, darüber verfasse ich einen Beitrag.
Wie immer freue ich mich über jeden Kommentar.

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4 Gedanken zu „Entdeckungsreise zur inneren Urgrossmutter

  1. Liebe Jutta, herzlichen Dank, dass du uns an deiner ganz persönlichen Geschichte mit deiner Urgroßmutter teilhaben lässt. Dein Beitrag ist auch deshalb besonders wichtig, weil wir ohne Heilung der Wunden unserer Eltern, Großeltern und Urgroßeltern emotional ahnungslos im Dunkel umherwandern und deshalb auf unserem Weg immer wieder an dem Punkt ankommen, der einen Riegel vorschiebt um das Glück einer unbeschwerten Entfaltung zu verhindern.
    Gefühle, die unsere Ahnen wegsperren mussten, gehen nicht verloren, sie werden zu unseren. Sind es nun wirklich unsere, oder sind sie ein Erbe vergangener Generationen, deren Lebensumstände keinen Raum für Gefühle erlaubten? Das frage ich mich oft.
    Wir haben nun die Aufgabe und auch die Chancen sie auszudrücken und somit zu heilen.
    Zu meiner Geschichte gehört bei beiden Eltern der schmerzhafte Verlust ihrer Heimat durch Kriegsgeschehen.
    Von Mutters Seite aus bis zum heutigen Tag, spüre ich ihre unerfüllte Sehnsucht und ihren Schmerz über den Verlust ihrer „einzigen“ damaligen Liebe. Durch den Krieg wurden sie von heute auf morgen getrennt. Sie heiratete meinen Vater, aber geliebt hat sie nur ihn.
    Auf mich wirkt ihre Sehnsucht und damit die unendliche Traurigkeit manchmal wie Treibsand, aus dem ich mich immer wieder mit höchstem Energieaufwand herausstrampel, was mir nur zeitweise gelingt.
    Ich kann mich nicht erinnern, sie jemals weinen gesehen zu haben. Deshalb schrieb ich dieses Gedicht. Ich freue mich, dass es bei dir einen guten Platz finden durfte. Danke dir von Herzen und bleib gesund!

    Christine Hammes

    P.S.
    Ich werde die Zeit der großen Krise nutzen, um mich weiter auf Entdeckungsreise zu meinen Ahnen begeben.
    Seltsam, dass man gerade jetzt, wo man sich sehnt, Umarmungen zu geben und zu empfangen Abstand nehmen soll.

    1. Liebe Christine,
      herzlichen Dank für Deinen Kommentar! Du hast das so wunderbar ausgedrückt: wie wir emotional ahnungslos im Dunkel umherwandern; und die Gefühle der Ahnen zu unseren werden.
      Als ich anfing, an dem Beitrag zu arbeiten, ahnten wir noch nichts von der Woge, die uns alle überrannte; so dass die Veröffentlichung zu diesem Zeitpunkt Zufall ist.Gerade jetzt täte es allen sehr gut, sich auf die Reise zu ihren Ahnen zu begeben; um zu erkennen, warum wir in dieser Krise so fühlen und so reagieren.

      Herzbewegte Grüsse, Jutta

  2. Liebe Christine, liebe Jutta,
    ich bin gerade zu Tränen gerührt! Herzlichen Dank!
    Es ist absolut auch mein Thema…
    Von Herzen alles Liebe
    Martina

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