Hochsensibilität im Alltag

Ist Hochsensibilität eine Gabe?

jede Begabung ist ein Geschenk

Die Frage mag manch einem merkwürdig erscheinen – denn die allermeisten Menschen erleben ihre HS als Last. Meistens haben sie bestenfalls gelernt, sich damit zu arrangieren. In nahezu jeder grösseren Stadt in Deutschland gibt es inzwischen Coaches, die sich darauf spezialisiert haben, Hochsensible zu coachen, damit diese mit dem normalen Alltag zurechtkommen.

Wenn man bedenkt, dass der Begriff HS noch vor 20 Jahren unbekannt war, ab 2010 eigentlich erst nach und nach bekannt wurde, und durch das Internet und die sozialen Medien immer mehr ins öffentliche Blickfeld gerät, dann fallen zwei Dinge auf:

Immer mehr Menschen glauben, HS zu sein. Interessant ist, dass die meisten auf das Thema Hochsensibilität stossen, weil sie Probleme haben, die ihren normalen Alltag erschweren. Eine ganze Reihe suchen Hilfe bei einem Therapeuten, der dann die Diagnose stellt: Hochsensibel!

Und schon glaubt man, die Ursache seiner Probleme gefunden zu haben!

 

Aber stimmt das denn?

Laut E.Aron sind 15 – 20% der Menschheit hochsensibel.

Ob das den Tatsachen entspricht, sei dahingestellt. ( Siehe auch Hochsensibel oder Hochempfindlich?)

Man kann gar nicht oft genug darauf hinweisen: Die Erforschung der Hochsensibilität steckt noch in den Kinderschuhen!

Wie auch immer – falls du in einer Krise; durch die Beschäftigung mit bestimmten Problemen  festgestellt hast, dass du zu den HSM – den HochSensiblen Menschen gehörst, dann möchte ich dir hiermit sagen:

 

Hochsensibilität ist etwas Wunderbares!

Ja! Du hast eine ganz wunderbare Begabung!

Denn für HSM ist die Welt um vieles bunter und vielfältiger. Sicher, auch komplizierter.

Aber ist das ein Problem?

Was ist das Gegenteil von kompliziert? – Einfach. Schlicht. Würdest du das wirklich wollen? Ich nicht.

Ich muss mich jetzt an dieser Stelle wirklich zurückhalten, um nicht zu sehr ins Schwärmen zu geraten – kann ja sein,dass hier normalsensible Leser sind, die ich dann vergraule.

HSM nehmen vor allem anders wahr, aber eben in der Regel auch mehr.

Während ich hier schreibe, fällt mein Blick nebenbei auf die Espe vor meinem Fenster. Ihre Blätter flackern hin und her, hin und her……Sicher, wenn ich mich darauf konzentriere, könnte mich diese ständige, flirrende Bewegung auch nervös machen. Aber ich mache daran eben vor allem die Stärke des Windes fest – es ist wenig Wind, die Blätter des Flieders wiegen nur sehr leicht, die Ebereschenbeerentrauben gar nicht. Oh, da sitzt ein Spatz, ganz dick aufgeplustert – ist es so kalt? Da der Baum schon fast alle Blätter verloren hat, kann ich wunderbar beobachten, mit welcher Eleganz er an dem Zweig turnt. Ich geniesse diese Naturbeobachtungen

Meine Wahrnehmungen als problematisch zu erleben, fände ich sogar undankbar. Es käme wohl keinem normal sehenden Menschen in den Sinn, zu klagen, dass er zu viel sieht; nur weil er in einer Familie lebt, in der die anderen sehbehindert sind, oder?

 

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Insofern ist jede Begabung mit gewissen Nachteilen verbunden.

Für jeden Maler kann es ein Problem sein, durch die Innenstadt zu laufen und die Menschen, die Fahrzeuge sehen zu müssen: Uah… was für gruselige Farbzusammenstellungen! Was für hässliche Farben überhaupt, mit denen die wetterfesten Jacken gefärbt werden, von den gängigen Autofarben ganz zu schweigen.

Oder, anderes Beispiel, ein Musiker: Jeder Musiker muss sicher auch mal in ein Kaufhaus. Und diese entsetzliche „Musik“ anhören, die dort ständig läuft. Und wenn er Kinder hat wird er gerührt sein, wenn die Kleinen beim Kindergarten-Sommerfest schief und krumm, aber mit Stolz etwas vortragen.

Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Der Parfumeur zum Beispiel – lebt nicht ausschliesslich in Lavendelfeldern, sondern wird auch mal Autoabgase riechen müssen.

 

 

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HSM erleben tiefer

als Normalsensible. In dem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, dass es auch möglich ist, weniger zu empfinden als Normalsensible: Man nennt das Depression.

Ups – jetzt habe ich ins Wespennest gestochen.  Ja, ich weiss, dass ganz viele HSM schon mal wegen einer Depression in Behandlung war und glaubt, HSM seien ganz besonders anfällig für Depressionen. Ich glaube allerdings nicht an diese These. Bestimmt kann auch ein HSM depressiv werden, aber ich streite ganz entschieden ab, dass es irgendeinen Zusammenhang mit HS gibt. Eher vermute ich, dass es sich häufig um HE, Hochempfindlichkeit, statt um HS handelt. – Tatsache ist jedenfalls, dass Hochsensibiltät und Depression in einem Widerspruch zueinander stehen.

Denn Depression heisst vor allem: Wenig bis nichts spüren. Keine Freude, keine Trauer.

Ich bin froh und dankbar zu fühlen, zu leben, das Leben zu spüren, diese wunderbare Welt zu erlebenin all ihren Erscheinungen! Dass ich auch Schmerz tiefer empfinde, nehme ich gerne dafür in Kauf.

 

Eine Gabe ist eine Aufgabe

Ja, ich denke, wir haben eine Menge zu geben! Wir können so vieles, womit wir die Welt bereichern können:

Verbindungen herstellen, die andere nicht unbedingt wahrnehmen.

Energien und Empfindungen von anderen Menschen, vielleicht von Tieren, der Natur wahrnehmen.

Vielleicht telepathisch kommunizieren mit Mensch und Tier.

Vielleicht etwas „sehen“, was materiell nach heutigen wissenschaftlichen Methoden nicht da ist, wie die  Aura von Menschen, Tieren, Landschaften; oder die Lebensenergie von Bäumen….

Vielleicht sehen, ob ein Mensch die Wahrheit spricht.

Dies sind nur einige Beispiele, die mir spontan einfallen. Mit all unseren besonderen Begabungen können wir

Beziehungen klären –

vermitteln –

Verständnis wecken –

anderen Menschen helfen, sich zu öffnen –

und so ein winziges Stückchen dazu beitragen,

diese Welt zu einem besseren, schöneren, liebevollerem Ort zu machen.

 

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2 Gedanken zu „Ist Hochsensibilität eine Gabe?

  1. Ich finde deine Artikel wunderar und kann mich in vielem wiederfinden und bestätigen dass es so ist. Aber in Bezug auf die Depression sehe ich es etwas anders. Ich habe viele dieser Gaben die du beschreibst, dies intensive Wahrnehmen der Natur, der Zwischenmenschlichen Gemütszustände, das erfassen von Situationen die andere nicht mal wahrnehmen. All das hatte ich eigentlich schon immer, obwohl ich es viele Jahre versucht habe zu verdrängen um klar zu kommen und dazu zu gehören. Ich wusste aber auch bis vor kurzem so gut wie nichts von HS. Auf Grund dieser Wahrnehmung habe ich Mißstände auf der Arbeit sehr tief greifend wahrgenommen, vor allem das Unglücklichsein der Kinder (Ich arbeite als SPA in einem Kindergarten). Ich habe versucht etwas zu ändern und meine Wahrnehmungen zu erklären, habe über 4 Jahre lang versucht die Kollegen mit Fachartikeln und Gesprächen zu überzeugen, konnte zu Hause nicht mehr abschalten , da es mir so wichtig war etwas für die Kinder zu tun. Irgendwann sagte mein Co Chef mir, dass ich noch so viele Artikel und „Beweise“ anbringen kann, es aber nichts nützen werde, da die Kollegin die eigentlich verkehrt arbeitete Studiert hat, und ich ja „nur“ Assistentin bin. Dass hat mich nach diesen ganzen Jahren des Kämpfens in einen Bourn out und in eine Depression katapultiert und mich lange Zeit ausser Gefecht gesetzt. Ich habe mich dort wieder raus gekämpft, aber ich denke dass gerade HSP vor allem wenn sie wie ich nicht viel Selbstbewusstsein haben, auf Grund von Situationen für die sie brennen, aber nichts verändern können, in eine Depression verfallen können. Liebe Grüße Gudrun

    1. Liebe Gudrun, puh…. das tut mir so leid…. Ich verstehe das leider sehr gut; denn ich habe auch mal in einer Kitag gearbeitet und aufgehört, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe, den Umgang mit den Kindern….Ja, natürlich hast du recht, dass so eine Situation auf Dauer eine Depression oder einen Burnout verursachen kann. Aber: Nicht deine HS ist die Ursache dafür, sondern die Umstände. Wir sind nicht grundsätzlich anfälliger für Depressionen als Neurotypen, was sehr oft behauptet wird. Dass wir in Krisen oder gerade auf solchen Arbeitsplätzen, wie du es beschreibst, mehr leiden als Neurotypen, steht auf einem anderen Blatt. Das gilt sicher für alle sozialen Berufe, wie unmenschlich geht es vielerorts in der Alten- und Behindertenpflege zu. Es gibt schon Wege, damit umzugehen… Ganz lieben Dank für deinen Kommentar; du hast mir gerade eine Anregung gegeben. Ich werde einen der nächsten Blogartikel darüber schreiben. Liebe Grüsse, Jutta

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