BeziehungNeurodiversität

Hochsensibilität und Paarbeziehung – Teil 1

 

Einführung

Zu gerne würde ich wissen, wie viele von euch in einer Paarbeziehung leben. Und wenn ja, wie glücklich oder zufrieden ihr in dieser Beziehung seid. Wenn nein, wie viele Beziehungen habt ihr hinter euch? Waren die Trennungen traumatisch?….

Tatsache ist jedenfalls, dass Hochsensibilität und Paarbeziehung ein heikles Thema ist. Wenn man bei Facebook nach einschlägigen Gruppen sucht, scheint es mehr Single/Datinggruppen für hochsensible Menschen (HSM) zu geben als für andere; und es gibt mindestens eine kommerzielle Partnervermittlung speziell für HSM.

 

Sicher,  in einer Paarbeziehung zu leben ist grundsätzlich eine Herausforderung für alle Menschen.  Dennoch haben HSM allem Anschein nach in einer Beziehung mit ganz speziellen Problemen zu kämpfen.

Hier soll nicht die Rede sein davon, dass ein normalsensibler Partner sich in besonderer Weise auf den HS-Partner einstellt und umgekehrt; auch nicht davon, ob Beziehungen zwischen zwei HS-Partnern einfacher sind;  sondern von dem Phänomen, dass –

 

Mit wem lebst du?

Hochsensible Menschen ganz auffallend häufig Partnerschaften eingehen mit Menschen, die an bestimmten Störungen leiden, wie zum Beispiel:

NPS (narzisstische Persönlichkeitsstörung), Borderline, PTBS (posttraumatische Belastungsstörung), Alkoholismus, Asperger.  –  Ich nehme an, die Aufzählung liesse sich noch fortsetzen.

 

In einer überregionalen Selsbsthilfegruppe für Partner von NPSlern waren ca. 90% HSM (der überwiegende Anteil von ihnen Frauen); bei 10% war es nicht ganz eindeutig.

In einer Selbsthilfegruppe für Partner von Asperger-Autisten waren alle HS- alles Frauen.

 

Bei Borderline und PTBS ist es etwas schwieriger zu ermitteln; auch deshalb, weil die Diagnosen nicht einfach zu erstellen sind, es aber auch oft Mischformen gibt wie NPS + PTBS, NPS + Borderline, Borderline +PTBS, und so weiter. Persönlich kenne ich eine ganze Reihe HSM, die Beziehungen hatten mit diagnostizierten Borderlinern und auch Menschen, die an schweren posttraumatischen Stresssymptomen litten. – Diese Störungen sollen nur erwähnt, aber hier nicht weiter behandelt werden.

Mindestens ebenso häufig scheinen Beziehungen zwischen HSM und Alkoholikern zu sein.

hochsensibel-paarbeziehung

 

Vor einigen Jahren habe ich an einem Wochenendseminar für hochsensible Frauen teilgenommen; Thema war: Hochsensible Frauen und die Liebe. Von 12 Plätzen waren 11 besetzt (die 12. Teilnehmerin musste kurzfristig absagen wegen akuter Beziehungskrise). Von diesen 11 Teilnehmerinnen hatte 4 eine Beziehung mit einem Asperger-Autisten hinter sich. Vier! Das ist mehr als ein Drittel! Drei  hatten Beziehungen gehabt mit Alkoholikern.

 

Mir ist natürlich bewusst, dass das keineswegs repräsentative Zahlen sind. Trotzdem denke ich, sie sprechen für sich.

 

Gerade die Beziehung von HSM und Aspis, also Asperger-Autisten, ist praktisch gar nicht erforscht; ich werde später noch einmal darauf zurückkommen.  Sicherheitshalber möchte ich darauf hinweisen, dass weder das Aspergersyndrom noch Alkoholismus zu den Persönlichkeitsstörungen gehören.

 

Was ist eine gestörte Persönlichkeit?

Persönlichkeitsstörungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie im Laufe der Entwicklung vom Kleinkind zum Erwachsenen den Charakter formen. Sie sind keine Krankheiten im engeren Sinn, obwohl sie teilweise so bezeichnet werden, weil sie in den internationalen Diagnosecode für Krankheiten aufgenommen wurden. Was sie allerdings davon unterscheidet, ist vor allem, dass sie nicht durch eine Therapie heilbar sind; sondern Ziel der Therapie ist, die Symptome zu mildern und dem Betroffenen Werkzeuge an die Hand zu geben, besser damit zu leben.

 

Die häufigsten Persönlichkeitsstörungen sind die narzisstische, die anti- oder auch dissoziale, die histrionische und die dependente.

Bei jeder einzelnen PS handelt es sich um ein Spektrum, und oft sind wohl die diversen PS nicht klar voneinander abzugrenzen. Ausserdem ist ein grosses Problem, dass die Diagnose oft von nur unzulänglich dafür ausgebildeten Psychotherapeuten erstellt wird. Zur Begriffserklärung:

 

Die antisoziale PS (auch dissoziale) entspricht weitgehend dem, was früher Psychopathie genannt wurde. Sie geht einher mit völliger Gefühlskälte, Rücksichtslosigkeit und  Skrupellosigkeit. Anders als bei der NPS spielt die Reaktion der Mitmenschen keine Rolle für den Betroffenen. Allerdings gibt es Ûbergänge zur NPS.

 

Die histrionische PS ist gekennzeichnet „durch eine übertriebene Emotionalität und ein übermässiges Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, Bestätigung, Anerkennung und Lob.  Der Begriff „histrionisch“ stammt aus dem etruskischen und bedeutet bezeichnenderweise Schauspieler. – Es gibt Parallellen zur NPS.

 

Die dependente PS laut therapie.de: „Typisch für eine dependente (auch: abhängige oder asthenische) Persönlichkeitsstörung ist, dass sich die Betroffenen passiv und unterwürfig verhalten, wenig Selbstbewusstsein haben und sich stark an andere anpassen. Sie neigen dazu, sich an nahestehende Menschen zu klammern, zeigen wenig Eigeninitiative und übernehmen ungern die Verantwortung. Bei eigenen Fehlern oder Missgeschicken neigen sie dazu, die Verantwortung anderen zuzuschieben. Insgesamt tendieren sie zu einer depressiven Stimmung und starken Trennungsängsten. Wenn eine enge Beziehung tatsächlich endet, fühlen sie sich völlig hilflos und innerlich zerstört.“

Auch hier sind die Parallellen zur NPS auffallend.

 

 

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Die NPS laut www.therapie.de: „Umgangssprachlich versteht man unter einem „Narzissten“ einen Menschen, der ausgeprägten Egoismus, Arroganz und Selbstsüchtigkeit an den Tag legt und sich anderen gegenüber rücksichtslos verhält.

Eine narzisstische Persönlichkeitsstörung ist dagegen eine tiefgreifende Störung der Persönlichkeit, bei der ein mangelndes Selbstwertgefühl und eine starke Empfindlichkeit gegenüber Kritik bestehen. Diese Merkmale wechseln sich mit  einer auffälligen Selbstbewunderung und übersteigerten Eitelkeit und einem übertriebenen Selbstbewusstsein nach außen hin ab. Letzteres dient den Betroffenen dazu, ihr geringes Selbstwertgefühl zu kompensieren. Darüber hinaus können sie sich schlecht in andere Menschen einfühlen.“

 

Noch einmal: Eine Persönlichkeitsstörung ist keine Eigenschaft, sondern ein Spektrum, es gibt Übergänge vom Normalen – jeder von uns kennt sicherlich Verlassenheitsängst, deshalb ist er noch lange nicht dependent! – bis hin zum Extrem. Jeder Mensch trägt narzisstische Anteile in sich. Dann gibt es die sogenannten Alltagsnarzissten: Jeder kennt sie: Charismatische Menschen, die sich wunderbar selbst darstellen können. Vielleicht stellen sie sich etwas zu sehr in den Mittelpunkt – aber sie tun niemandem etwas zuleide, sie sind nicht gestört. Und dann gibt es die malignen (von lateinisch = böse), oder auch grandiosen Narzissten, bei denen die Übergänge zum Psychopathen fliessend sind.

Ich möchte hier vor allem  die Beziehung zwischen Hochsensiblen und Narzissten behandeln; nicht nur, weil einerseits Narzissmus als krankhafte Störung mehr und mehr zunimmt; ja, fast schon zur Norm zu werden scheint; sondern auch, weil kaum eine andere Beziehung so zerstörerisch für Hochsensible ist wie die zu einem grandiosen Narzissten.

siehe auch: Der Hochsensible und der Narziss

Die Wirkung früher Traumata

wie wirken Traumata auf Hochsensible

 

 

 

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Ein Gedanke zu „Hochsensibilität und Paarbeziehung – Teil 1

  1. Welche Verbindung oder Mischung ich in Verbindung mit HSP auch noch nie berücksichtigt fand in Artikeln oder Abhandlungen, sind Angststörungen & HSP. Ich fand immer nur Hinweiße, wie man seine schöpferischen Potentiale bei HSP zu Tage fördert und sich damit zu Zufriedenheit, Glück & Erfolg bringt. Eine tiefgreifende Angststörung als Persönlichkeitsstörung läßt, ein eventuelles Potiential gar nicht erst bewußt werden, geschweige denn blockadefrei zum fließen bringen.

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