Hochsensibel – oder Hochempfindlich?

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Hochsensibilität, Traumata

Sprachlich betrachtet ist die Unterscheidung zwischen sensibel und empfindlich unsinnig:

sensibel – sensitiv – empfindlich – empfindsam  = 4 Synonyme für dieselbe Eigenschaft.

Es gibt Psychologen, die unterscheiden zwischen hochsensibel und hochsensitiv;  demnach sind die hochsensiblen HSM diejenigen, die HS im Bereich der äusseren Sinne sind,

während hochsensitive vor allem HS sind im zwischenmenschlichen Bereich.

Das ist natürlich eine Möglichkeit der Klassifizierung der unterschiedlichen HSM Typen ; wie sinnvoll das ist, sei dahingestellt.

Die Trennung zwischen HS und, ich nenne es jetzt hier mal HE, also

HOCHEMPFINDLICHKEIT dagegen stellt den Versuch dar, echte, also angeborene Hochsensibilität von unechter, also erworbener Hochsensibilität zu unterscheiden.

 

Warum ist eine solche Unterscheidung überhaupt relevant?

Weil sie der Klarheit dient.

Weil es immer hilfreich ist, Verständnis von einer Sache zu haben.

Wenn jemand nach dem Testergebnis eines der üblichen HS Tests wahrscheinlich oder höchstwahrscheinlich hochsensibel ist, besteht eine relativ grosse  Möglichkeit, dass derjenige in Wahrheit hochempfindlich ist.

Denn die Übereinstimmung der relevanten  Test- Items ist auffallend hoch.

Aber während HS immer angeboren ist, wird die  HE im Laufe des Lebens erworben.

Ausgelöst durch Traumata, häufig in Kindheit oder Jugend.

 

Der entscheidende Unterschied ist:

Die Hochempfindlichkeit kann wieder verschwinden, wenn die Situation, die das Trauma ausgelöst hat, sich verändert hat. Das ist allerdings sehr individuell und hängt wohl auch vom Alter ab, in dem das auslösende Trauma entstand.

Hochsensibilität ist angeboren und ist immer bleibend; sie lässt sich nicht wegtrainieren.  

Hochsensible sind neuronal anders vernetzt; sie gehören damit nicht zu den Neurotypen (NT), sondern sind eine Variante. (Vermutlich ist diese Tatsache schuld daran, dass es Psychologen und Ärzte gibt, die HS zu den Krankheiten bzw. Entwicklungsstörungen zählen  wie beispielsweiße Asperger – auch das ist eine neuronale Variante).

Hochempfindliche Menschen sind Neurotypen. Sie denken wie Normalsensible, aber nehmen mehr wahr als diese und empfinden  intensiver.

Hochsensible Menschen nehmen mehr, aber vor allem anders wahr, verarbeiten die Wahrnehmungen anders; sie denken anders.

Eine nervlich und emotional extrem belastende Situation über einen längeren Zeitraum schärft die Sinne: Alle äusseren Reize werden viel stärker wahrgenommen – man ist ständig in Habachtstellung, um rechtzeitig Gefahren wahrzunehmen. Es kann sich sogar ein Instinkt bilden, Intuition, um  rechtzeitig zu warnen.  Desgleichen kann sich eine starke Empathie ausbilden; Empathie im eigentlichen Wortsinn: Verständnis für die Gedanken und Empfindungen anderer Menschen  – unter Umständen kann es überlebnsnotwendig sein, diese zu erkennen! – Auch die Phantasie wird aktiviert: Man muss sich alles mögliche vorstellen können; entweder, um vorbereitet zu sein; oder um die Situation zu ändern.

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Das Nervensystem steht unter Daueranspannung. Das kann nicht ohne Folgen bleiben. Das mindeste ist, dass der hochempfindlich gewordene Mensch sehr viel Ruhe und Rückzugsmöglichkeiten braucht; allein, in einem ruhigen, abgedunkeltem Raum, damit das überforderte Nervensystem zur Ruhe kommt.

Leidest du an einer Depression?

Als Folge dieser Dauerbelastung kann es  zu psychischen Erkrankungen wie Depression oder einer Angststörung kommen; wenn neben dem Stress der traumatischen Situation noch die oft stressigen Alltagsanforderungen im Beruf dazukommen. Auch dann noch, wenn die ursprünglich auslösende Situation längst behoben ist: Das Nervensystem hat gelernt, bestimmte Reize als ”Gefahr” wahrzunehmen und Alarm zu schlagen.

Irgendwann ist das Nervensystem verständlicherweise so überfordert, dass es zusammenbricht. Es kommt zum Burnout, zum Nervenzusammenbruch.

Zum Glück ist es in Deutschland relativ einfach, eine Therapie durchzuführen; das Angebot ist gross; es sollte für jeden die passende Therapie geben (immer vorausgesetzt, dass die Diagnose stimmt!). So gelingt es vielen, im Laufe der Zeit alte Traumata zu verarbeiten.

Das Nervensystem darf endlich zur Ruhe kommen. Und damit verschwindet die Hochempfindlichkeit! Der hochempfindliche Mensch wird zum Normalempfindlichen, zum Normalsensiblen.

Und wenn ein HSM über kürzere oder längere Zeit einer traumatischen Situation ausgesetzt ist?

  • An dieser Stelle fordere ich  die Leser wieder auf, selbst ein wenig Feldforschung zu betreiben. Ich die Menschen, von denen ich – einschliesslich mir selbst – meine Vermutungen ableite, zahlenmässig in keiner Weise ausreichend sind, um hier Behauptungen aufzustellen. Ich bewege mich also auf recht dünnem Eis.

Sicher zu sein scheint mir, dass auf jeden Fall eine extreme – jedenfalls stark vermehrte Sensibilität/Empfindlichkeit im äusseren Sinnesbereich auftritt.

 

 

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Die Empathie – die Wahrnehmung der Empfindungen anderer Menschen kann, aber muss nach meinen Erfahrungen nicht gesteigert sein.

Aber. Gehört man zu den sog. Empathen, d.h. zu den stark mitempfindenden HSM, dann lässt das Mitfühlen mit anderen Wesen auf signifikante Weise nach!, solange HSM der traumatischen Situation ausgesetzt ist!

Ausserdem vermute ich, dass HSM unter länger dauerndem extremen Stress bzw. Nach einer Traumatisierung schneller eine Depression, Angststörung, Burnout bekommen als Normalsensible.

Es gilt dasselbe wie bei Normalsensiblen: Nach einer geglückten Therapie erholt das Nervensystem sich; die extreme Reaktion auf äussere Reize lässt wieder nach; und das Mit -Empfinden kehrt zurück,

Stress gehört genau wie traumatische Erlebnisse zum Leben; jeder ist dem ausgesetzt. So gut wie jeder Mensch muss sich irgendwann mit Schocks wie Tod oder Trennung von ihm nahestehenden Menschen auseinandersetzen.   

Darüber hinaus gibt es extreme Traumata wie Kriegserlebnisse, Entführung, Vergewaltigung, sexueller Missbrauch und Misshandlung. Diese führen immer zu PTBS (posttraumatische Belastungsstörung) und verlangen immer Therapie.

Wenn ein hochsensibles Kind ein derartiges Trauma erleben muss, entwickelt es möglicherweise aus der PTBS ein Borderline Syndrom; darauf gibt es Hinweise.

Und ein hochsensibler Erwachsener mit einer PTBS? Ich wage zu behaupten: er steht stänidig am Rande des Nervenzusammenbruchs; rastet auch bei allerkleinsten Anlässen aus, die für die Mitmenschen  als Auslöser oft nicht wahrnehmbar sind.

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Zum Glück gilt auch hier: Nach einer geglückten Therapie erholt das Nervensystem sich wieder, die Symptome bilden sich zurück.

 

Was ist eine geglückte Therapie?

Vor allem setzt sie eine richtige Diagnose voraus! Was ist der Grund und der Auslöser für die zu behandelnde Störung?

Ist es die traumatische Situation?

Oder ist es die Hochsensibilität??

Hochsensibilität ist keine Störung!

Und Hochempfindlichkeit, sofern sie denn als solche ”diagnostiziert” wird- ebenfalls nicht! HE ist eine Alarmreaktion des Nervensystems, ein Symptom!

Und hier ist ein grosses Problem: Da HE und HS nicht unterschieden werden, herrscht landläufig die Meinung:

HSM entwickeln häufig eine Depression oder eine Angststörung, weil sie unter ihrer HS leiden. Ergo: wird versucht, die HS ( oder eben HE) zu therapieren; ausserdem ist vermutlich dieser Irrtum die Ursache dafür, dass viele Ärzte und Psychologen Hochsensibilität als Krankheit betrachten!

 

Hochsensibilität ist keine Störung!

Ein HSM; der nicht dauernd besonderem Stress ausser dem ganz normalen alltäglichen ausgesetzt ist, neigt nicht mehr zu psychischen Störungen als jeder Normalsensible auch.

Ein HSM nimmt nicht unbedingt mehr wahr, sondern anders; sein Nervensystem arbeitet anders.  Das Nervensystem eines HSM ist nicht  überlastet wie das eines HEM! Und das Bedürfnis nach Ruhe, Alleinsein, Rückzugsmöglichkeiten ist so individuell wie die Menschen, hat mit HS nichts zu tun; es gibt eben so viele NSM, die ein überdurchschnittliches Bedürfnis nach Ruhe, Rückzug, Alleinsein haben.

 

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In jeder Veröffentlichung über Hochsensibilität lwird erwähnt, dass schätzungsweise 15 – 20% der Bevölkerung HSM sind.

 

Das glaube ich nicht!

Aufgrund meiner obigen Ausführungen behaupte ich, dass ein grosser Teil dieser 15 – 20% keine HSM, sondern HEM sind.

Und, zum Schluss, natürlich wie immer ein Haufen neue Fragen:

Wie hoch ist der Anteil der HSM in der Gesamtbevölkerung?

Gehört verstärkte Wahrnehmung im Sinnesbereich  ( fehlender/schwächerer Filter – Thalamusfunktion) überhaupt zu HS?

Und das daraus resultierende Bedürfnis nach mehr Ruhe und Rückzug??

Vor allem aber: Was ist denn nun mit der Empathie – der mitfühlenden Empathie?  Sind vielleicht doch alle HSM Empathen?? Anders als von mir dargestellt in früheren Blogartikeln? (Einige Irrtümer und Fakten…. ; sind alle Empathen hochsensibel ) Weil diejenigen HSM, die nicht mitfühlend sind, gerade auch HEM sind??

Fragen über Fragen.  Je mehr ich an dem Thema arbeite, desto mehr Fragen stellen sich….  Es besteht erheblicher Forschungsbedarf!

Und ich kann nur sagen: Bitte helft mir dabei!

Kommentare,  Anregungen, Ratschläge, Kritik wie immer erwünscht!

 

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