der Teddybär vermittelt Sicherheit

Wie wirken Traumata auf Hochsensible?

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Die Wirkung früher Traumata und Hochsensibilität Teil 2

Reagiert ein Hochsensibler Mensch anders bei Gefahr?

Wenn ein Mensch, Kind oder Erwachsener, ständiger Gefahr ausgesetzt ist, bilden sich Instinkte aus, die unsere Urväter zum überleben  brauchten: Alle Sinne werden extrem geschärft. Man lernt, den Fokus nur in die Aussenwelt zu richten, um möglichst früh drohende Gefahren wahrzunehmen. Viele entwickeln ein Art hellseherische Gabe, vorher- ohne jegliche äussere Sinneswahrnehmungen, zu ahnen, wann Gefahr droht. Man ist ständig im Fluchtmodus; bereit, sofort aus dem Stand heraus alles liegen zu lassen, um der drohenden Gefahr zu entkommen. Ein Kind, das so lebt, hat kaum Reserven für ein normales kindliches Leben, die ständige Wachsamkeit fordert sämtliche Energien. Die Empathiefähigkeit – nämlich das wahrnehmen und erkennen dessen, was im anderen Menschen vorgeht, ist hoch ausgeprägt: Denn es kann überlebensnotwendig sein, zu erkennen, was der andere beabsichtigt.  Diese Empathie ist allerdings immer einseitig. Für das MITEMPFINDEN fehlt schlichtweg die Energie.

 

Vermutlich wird durch die Dauerüberreizung des Nervensystems die Filterfunktion des Thalamus ausgeschaltet – bei Kindern schneller, bei Erwachsenen etwas langsamer – mit der bekannten Folge, dass alle Reize ungefiltert wahrgenommen werden.

 

Das sind typische Symptome für Hochsensibilität! Der Unterschied ist, dass diese hohe Sensibilität erworben ist und nicht einhergeht mit der sehr speziellen Wahrnehmungsverarbeitung und Denkweise der HS. Ich nenne diese erworbene Form deshalb HOCHEMPFINDLICHKEIT.

 

HOCHEMPFINDLICHKEIT wird durch Traumata ausgelöst. Je nach Schwere des Traumas und der Dauer, die der Mensch der auslösenden Situation ausgesetzt war, kann die HE bei Aufarbeitung des Traumas wieder verschwinden – die Funktion, vor ständiger Gefahr zu wranen, ist nicht mehr gegeben.

 

Leseempfehlung: HOCHSENSIBEL – ODER HOCHEMPFINDLICH?

 

Und der Hochsensibler Mensch? Die Hochempfindlichkeit kommt dann noch dazu.

 

HOCHSENSIBILITÄT ist ein Spektrum. Nicht auf jeden HSM treffen alle Eigenschaften zu. Es gibt eine Gruppe HSM, ich nenne sie HHSM – HYPERHOCHSENSIBEL – bei denn zu vermuten ist, dass sie sowohl HS als auch HE sind.

 

Ausserdem liegt der Verdacht nahe, dass bei HSM, die nicht empathisch (im Sinne von mitempfindend) sind, ein Entwicklungstrauma vorliegt.

 

Vermutlich entwickeln HSM als Folge früher Traumatisierung andere Entwicklungs- und Persönlichkeitsstörungen als Nicht-HSM. Eventuell führt eine posttraumatische Belastung bei ihnen eher zu Borderline.

 

Hochsensibel und pathologischer Narziss?

 

Obwohl die angeborene sehr starke Fähigkeit zur mitempfindenden Empathie verschüttet werden kann, ist es kaum vorstellbar, dass ein HSM eine maligne NPS (die schwerste Form einer narzisstischen Störung) oder eine Soziopathie entwickelt. Typischer für HSM ist eine dependente, auch abhängige PS, oder die weibliche Form einer NPS.

 

 

Mensch, verfolgt von Dämonen
Mensch und Monster

 

Es wird oft gefragt, kann ein HSM ein pathologischer Narziss sein. Normalerweise verknüpft man damit den männlichen Narzissmus mit den bekannten, verheerenden Auswirkungen auf die Angehörigen (Hochsensibilität und Paarbeziehung Teil2) Die weibl. Form dagegen ist für Laien kaum als Narzissmus erkennbar. Der weibliche Narziss ist wesentlich subtiler, sieht aber auch nur sich, erlebt sich ausschliesslich als Opfer und als aufopfernd „was ich alles für dich tue“, „ohne mich hättest du das niemals erreicht“.  Jedoch wirkt er in keiner Weise so verheerend auf sein Umfeld wie   ein Mensch mit männlicher NPS.

 

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Die allermeisten Menschen mit ENTWICKLUNGSTRAUMATA benötigen fachmännische Hilfe zur Verarbeitung ihrer Traumata. Da HSM anders denken, anders assoziieren, ist es wichtig, dass sie einen Therapeuten finden, der sich mit HS auskennt; und nicht sie möglicherweise gleichsetzt mit HE und sie möglicherweise deshalb als Krankheit versteht. Denn sonst ist die Gefahr von Fehldiagnosen gegeben: Offensichtlich äussert sich eine PTBS bei HSM  anders als bei Nicht -HSM. Die leider bei HSM sehr häufigen  Fehldiagnosen sind ein Grund, warum Therapien nicht zum Erfolg führen. Ein weiterer Grund ist möglicherweise, dass die meisten Therapien für HSM nur sehr bedingt geeignet sind. – In diesem Zusammenhang am Rande: Besondere Vorsicht ist geboten, wenn ein erwachsener Mensch völlig überraschend die Diagnose Autismus und/oder ADS erhält. Derjenige sollte unbedingt testen, ob er nicht hochsensibel ist!

 

 

Gerade in letzter Zeit wird viel über RESILIENZ  (= die psychische Widerstandskraft) geredet. Warum löst ein Ereignis bei dem einen eine PTBS aus und beim nächsten nicht? Warum erholt der eine sich von demselben Ereignis binnen Wochen ohne fremde Hilfe, der andere benötigt jahrelange Therapie?

Hier zeigt die Erfahrung, dass anscheinend HSM eine grössere Resilienz besitzen bei SCHOCKTRAUMATA und diese leichter ohne Fremdhilfe verarbeiten können als Nicht HSM.  Wobei ein Schocktrauma ebenfalls eine HE auslösen kann durch die massive Überreizung des Nervensystems.

 

Noch mal zur Wirkung des noch immer wirkenden deutschen Kollektivtraumas: Die erste und teilweise zweite Generation der Nachkriegsgeborenen wuchs unter den düsteren Schatten des Kollektivtraumas auf. Einen Lichtblick, einen ersten Aufbruch brachte die Hippiebewegung, die zusammen mit der unerhörten Revolution der Rockmusik Ende der 1960er nach Deutschland schwappte; Mit den Beatles kam erstmalig Yoga und Meditation auch nach Deutschland und wurde schnell populär.  In Wahrheit handelte es sich um eine Kulturrevolution, die einen starken Bewusstseinswandel bei den Jugendlichen auf der Schwelle zum Erwachsenenalter zur Folge hatte. Die alten Werte wurden in Frage gestellt, neue Wege gesucht vor allem auch in der Pädagogik, aber auch in Formen der Beziehung, des Zusammenlebens, Wirtschaft etc.

Im Nachhinein, fast 50 Jahre später, scheint es das Aufbruchssignal in ein neues Zeitalter gewesen zu sein.

 

 

Aufbruch in eine neue Zeit?

Nur wenige Jahre später tauchte der  Begriff  INDIGOKINDER auf.

Der Name wurde 1982 geprägt von Nancy Ann Tappe, die eine indigofarbene Aura bei den betroffenen Kindern wahrgenommen hat; bzw ab den seit den 90er Jahren geborenen Kristallkindern eine entsprechende Aura. Wie nicht anders zu erwarten, wurden die Veröffentlichungen in die Esoterikecke gestellt und als lächerlich abgetan. Es ist aber eine Tatsache, dass ab etwa Mitte der 70er Jahre immer mehr Kinder zur Welt kamen, die völlig neue Eigenschaften …. ja, was? Hatten? Oder nur der Welt sich anders präsentierten? Kinder, die stark abweichendes Verhalten zeigten.

Die Beschreibung der Indigo- und mehr noch der Kristallkinder passt aber haargenau auf Hochsensible! So dass ich es für möglich halte, dass diese Indigomenschen die ersten HSM unserer westlichen Gesellschaften sind, durch den Einfluss des oben beschriebenen Bewusstseinswandels ihrer Eltern zumindest erheblich weniger unter dem Kollektivtrauma der Grosseltern leiden und sich deswegen ganz anders entwickeln konnten. (Eine weitere Frage, da ja nun längst nicht alle Jugendlichen der 60er und 70er Hippies waren, wäre: Gibt es einen verwandtschaftlichen Zusammenhang zu Indigos?)

Etwa zur selben Zeit wie Indigos tauchte ADHS plötzlich als immer häufiger diagnostizierte Störung auf; ursprünglich unter dem Namen MBD – minimal brain damage. Es gab Publikationen namhafter Pädagogen, ADHS gäbe es nicht, das seien alles Indigokinder, die eine besondere Erziehung benötigen. Bekanntermassen sind die Diskussionen um ADS und ADHS bis heute eher mehr geworden. Vor allem aber:  Eine der häufigsten Fehldiagnosen bei hochsensiblen Kindern, die vor allem am besonders restriktiven deutschen Schulsystem leiden und scheitern. Hoffnung in dem Zusammenhang macht die noch neue, aber stetig  wachsende Freelearnerbewegung von Eltern, die sich weigern, ihre Kinder diesem System auszusetzen.

 

 

So wird sich erst in Zukunft herauskristallisieren, wie Traumata wirklich auf die Entwicklung von HS-Kindern wirken – nämlich dann, wenn eine genügend grosse Anzahl HSM erwachsen ist, die unbelastet aufgewachsen sind; deren HS-Eltern ihre Traumata bearbeitet und integriert haben.

Und die auch durch ihre eigene Befreiung ihren Kindern eine freie, soll heissen: nicht-durch Traumata-belastete Entwicklung ermöglichen; in einer Umgebung, in der das Kind sich mit allen seinen HS Facetten zeigen darf!

Leseempfehlung  HOCHSENSIBILITÄT UND PAARBEZIEHUNG TEIL 5

und IST HOCHSENSIBILITÄT EINE GABE?

 

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2 Gedanken zu „Wie wirken Traumata auf Hochsensible?

  1. Der Behauptung, dass männliche Narzissten mehr Schaden als weibliche anrichten, möchte ich entschieden widersprechen.
    Frauen können das ganz genauso, sie bleiben u.U.nur länger unentdeckt mit ihrem Tun.

    1. Hallo Johanna, ein weiblicher Narziss kann ein Mann oder eine Frau sein; genau wie ein männlicher Narziss eine Frau sein kann. Die Bezeichnung „weibl. Narziss“ und „“männl. Narziss“ hat nichts mit dem biologischen Geschlecht zu tun, sondern mit der Erscheinungsform des Narzissmus.

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