Hochsensible Mütter und KinderÜber Hochsensibilität

Die Wirkung früher Traumata und Hochsensibilität Teil 1

das blanke Entsetzen

Wird Hochsensibilität durch Traumata ausgelöst?

Auch wenn es sich inzwischen rumgesprochen haben dürfte, dass Hochsensibilität angeboren ist – immer wieder wird die Frage gestellt: Können nicht doch frühe Traumata HS auslösen?

 

Ein Grund für diese Frage ist, dass sehr viele, die glauben, hochsensibel zu sein, nicht genau wissen, ob sie als junge Kinder schon HS, sprich, irgendwie anders waren.

 

Ein weiterer Grund liegt darin, dass  in der Generation der Nachkriegskinder (Geburtenjahrgänge bis etwa 1960/1965) jeder einzelne bei traumatisierten Eltern, in einer völlig traumatisierten Welt aufgewachsen ist. Jede einzelne Bezugsperson – ob Lehrer, Nachbar, Tante – alle, alle waren betroffen von dem furchtbaren Kollektivtrauma durch Naziregime und Krieg. – Und das gilt nicht nur für Deutschland, sondern wohl für die ganze erste Welt, wenn auch nicht in demselben Mass.

 

So dass einerseits auf allen Kinderseelen dieser Generation diese dunklen  Schatten lagen.

 

Zum anderen aber: die allermeisten hochsensiblen Kinder haben ein, manchmal auch zwei, HS-Eltern. Man kann davon ausgehen, dass diese schlechter als Nicht-HSM ihre Kriegstraumata verarbeiten konnten – denn dieses entsetzliche, kollektive Trauma wurde von der Gesellschaft völlig ausgeblendet; die Jahre zwischen 1938 und 1945 waren ein totales Tabu bis mindestens zum Ende der 1960er Jahre. So kam es also, dass viele, viele der Betroffenen aufgrund ihrer  nichtverarbeiteten Traumata typische Störungen entwickelten – psychische Krankheiten sowie  Persönlichkeitsstörungen und Alkoholismus, die bei den eigenen Kindern zusätzliche  Entwicklungstraumata auslöste.

 

 

Das traumatisierte Kind

Dazu kommt noch, dass bis in die 60er Jahre hinein bei der „verlorenen Genration“ viele Ideale aus der Nazizeit, mit der diese aufgewachsen war, weiter wirkten: Allen voran die Erziehungsmassnahmen von Johanna Haarer, deren Buch „die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ bis in die 60er Jahre sehr populär war und Müttern von der Mütterberatung in die Hand gedrückt wurde: Gewalt, Prügelstrafe – auch solche, die blutige Striemen hinterliess – war völlig normal. In vielen Schulen schlugen Lehrer  Schüler mit dem Zeigestock – völlig legal! Zärtlichkeit dagegen, ein Kind in den Arm zu nehmen, galt als Verweichlichung und abzulehnende Verwöhnung. –  Kinder hatten zu funktionieren. Durften sprechen nur dann, wenn der Erwachsene sie ansprach. Jungen durften keine Gefühle zeigen, schon gar keine Tränen. Kinder hatten schlichtweg keine Menschenrechte.

 

 

Auch die Hungerjahre hatten ihre Spuren hinterlassen: Wer jahrelang echten Hunger leidet, isst, wann immer Gelegenheit dazu ist. So war es normal, dass Kinder zum Essen gezwungen wurden; der Teller musste leer gegessen werden. Wer weiss, wie viele Gewichtsprobleme darin ihre Ursache haben?

 

Bei Frauen und Mädchen kam noch die extrem körperfeindliche Erziehung dazu: Die Massenvergewaltigungen löste auch bei nicht betroffenen Frauen ein weiteres Kollektivtrauma aus, das  in der Erziehung der Töchter wirkte: In jedem Mann sah man den eventuellen Missbraucher; jede freundliche Geste eines männlichen Wesens kleinen Mädchen gegenüber löste Misstrauen und Abwehr aus bei den Müttern. Diese ständige latente Furcht wirkte auch stark bis in die anerzogene Körperhaltung: Mädchen spielten, standen, sassen – egal wann, wo, bei welcher Tätigkeit  – immer und grundsätzlich mit zusammen gehaltenen, aneinander gepressten Knien. Und nein, das ist keine Kleinigkeit, sondern führt zu einer erheblich eingeschränkten Beweglichkeit des gesamten Beckenraums; zu einem Beckenfehlstand und damit veränderten Bindegewebsstrukturen im gesamten Leib, mit erheblichen Folgen auf die  Unterleibsorgane  (die so häufigen rezidivierenden Harnwegsinfekte älterer Frauen haben hier ihren Grund!); einer unvollständigen Entwicklung des zweiten, des Sakralchakras und Folgen für das Sexualleben… um mal nur einige zu nennen. Und das sind nur die kollektiven, nicht die persönlichen Traumata!

 

Persönliche Entwicklungstraumata durch die schwerstgestörten Eltern, kamen bei vielen hinzu.

 

So dass es nur verständlich ist, wenn gefragt wird:

 

 

Können Traumata Hochsensibilität auslösen?

Immerhin, diese Frage lässt sich mit einem Wort beantworten: NEIN.

(Die Frage, wodurch Hochsensibilität ausgelöst wird, hat dagegen noch niemand beantworten können. Vermutlich gab es sie immer schon, entsteht oder ist entstanden durch eine Laune der Natur und wird eben weitervererbt.)

 

Die Frage, wie Traumata auf die Entwicklung von HSM wirken, lässt sich dagegen kaum beantworten.

 


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Als Einschub hier ein ganz kurze Definition der verschiedenen Traumata:

 

  1. VERERBTE TRAUMATA – Je nach Schwere des Traumas finden Veränderungen nicht nur im Verhalten statt, sondern können bis in den Stoffwechsel hinein wirken; wie neuere Untersuchungen der Universität Zürich belegen.  Sie werden weitergegeben bis mindestens in die zweite folgende Generation; manche Systemtherapeuten sagen sogar, bis zur 5. Generation.

 

  1. ENTWICKLUNGSTRAUMATA – lang anhaltende, extrem belastende Situation; z.B. Gewalt in der Familie, langanhaltender Missbrauch, Kriegssituation. Führen zu Verhaltensauffälligkeiten, physischen Reaktionen, je nach Schwere zu massiven Entwicklungsstörungen, können zu Persönlichkeitsstörungen führen. –  Entwicklungstraumata werden vermutlich immer an die Kinder weitergegeben.

 

  1. SCHOCKTRAUMATA Ein einmaliges traumatisierendes Erlebnis. Kann je nach Schwere des Auslösers mit oder ohne Hilfe aufgelöst werden. Z.B. ein heftiger Krankheitsausbruch, der einen Transport mit der Ambulanz mit Martinshorn erforderlich macht, ist ein Trauma, von dem man sich nach Gesundung schnell erholt. Schwieriger können rein seelische Schocktraumata sein; z.B. wenn man entdeckt, jahrelang von seinem Partner hintergangen worden zu sein – da kann es Jahre dauern, sich zu befreien. Extreme Schocktraumata – wie ein gewalttätiger Überfall, Geiselnahme, Gruppenvergewaltigung o.ä. wirken wie Entwicklungstraumata und werden ebenfalls weitervererbt.

 

 

Was nun die Beantwortung auf die Frage, wie Traumata speziell auf HSM wirken, so schwierig macht, ist die Tatsache, dass es noch kaum HSM gibt, welche NICHT wenigstens mit der Belastung vererbter Traumata aufgewachsen sind. Auch in neutralen Ländern wie Schweden und der Schweiz lebten die Menschen in ständiger Angst. Tatsächlich fällt mir gerade kein Land ein, wo die Menschen nicht innerhalb der letzten 120 Jahre unter dem Einfluss eines kollektiven Traumas stehen oder gestanden haben!

 

Elaine Aron begann ihre  wissenschaftlichen Tests und Untersuchungen von Hochsensiblen   zu Beginn der 90er; das heisst, mit der ersten und zweiten durch die Eltern traumatisierten Generation.

 

Klar ist in jedem Fall, dass die Entwicklung immer massiv beeinträchtigt wird. Was Die Hochsensibilität betrifft, vermute ich, dass vor allen Dingen die besonderen Gaben der HSM nicht voll zur Entfaltung kommen können: Empathie ( im Sinne von Mitempfinden), Intuition, die Wahrnehmung eher aussersinnlicher Erscheinungen.

 

Zum Beispiel EMPATHIE:

(im Sinne von Mitempfinden): Während einerseits immer wieder behauptet wird, alle HSM seine empathisch, zeigt die Erfahrung, dass dem leider nicht so ist. Ich habe die leise Ahnung, dass tatsächlich alle HSM mit hoher Empathiefähigkeit geboren werden, die aber durch  Entwicklungstraumata sich gegebenenfalls nicht ausbildet.

 

 

Zum Beispiel INTUITION:

Auch diese Gabe ist oft tief verschüttet bei traumatisierten HSM. 

 

Zum Beispiel WAHRNEHMUNG:

von aussersinnlichen Erscheinungen: Haben längst nicht alle HSM.

 

Alle diese Eigenschaften hängen mit der Entwicklung der Chakren zusammen, welche durch Entwicklungstraumata der frühen Kindheit nachhaltig gestört wird.

 

Welches sind nun konkrete Symptome eines kindlichen Entwicklungstraumas?

Stark vereinfacht: Das Kind entwickelt Überlebensstrategien. Wenn es die auslösenden Situation nicht physisch entkommen kann, dann wenigstens seelisch-geistig. Manche Kinder lernen, z.B. bei Anwendung physischer Gewalt, sich „ wegzubeamen“. Wenn das zur Regel wird, ist die logische Folge eine schwere Persönlichkeitsstörung, bis hin zur Multiplen Persönlichkeit.

 

Bei subtilerer Gewalt, psychischer Misshandlung werden andere Strategien entwickelt, um sich zu schützen.  Auch wenn die Folgen weniger verheerend sind, sind die Folgeschäden beim Erwachsenen massiv: Depressionen, bei entsprechender Disposition wird für Narzisstische und Soziopathische Persönlichkeitsstörungen hier der Grundstein gelegt.

 

Lesempfehlung: Hochsensibilität und Paarbeziehung Teil 4

 wie wirken Traumata auf Hochsensible


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Jutta Administrator
Mein Name ist Jutta Jorzik-Oels, als Berater und Coach bin ich spezialisiert auf Hochsensibilität. Ich helfe hochsensiblen Menschen in Krisensituationen.

4 Gedanken zu „Die Wirkung früher Traumata und Hochsensibilität Teil 1

  1. Liebe Jutta,

    Du schreibst:
    „Tatsächlich fällt mir gerade kein Land ein, wo die Menschen nicht innerhalb der letzten 120 Jahre unter dem Einfluss eines kollektiven Traumas stehen oder gestanden haben!“

    Ich möchte hinzufügen, dass beide Geschlechter seit Jahrtausenden im Trauma des Patriarchats gefangen sind; da stimme ich mit Ilan Stephani überein.

    1. Lieber Thomas,
      danke für Deinen Kommentar.- Dass die patriarchalische Kultur kollektive Verletzungen verursacht, ist sicher nicht von der Hand zu weisen. Ob man in dem Zusammenhang von Trauma sprechen kann? Ein Trauma entsteht doch immer durch ein plötzlich einsetzendes schockierendes Ereignis. In wie weit kann man die Wirkung solcher Generationen ûbergreifende Verwundungen oder Unterdrückungen mit der Wirkung von Traumata vergleichen? Interessantes Thema!
      Herzliche Grüsse, Jutta

  2. PS: Schade, dass ich nach dem Absenden nicht mehr löschen kann…
    Was ich noch sagen möchte: Langes Graben in der Vergangenheit hilft manchen Menschen unbedingt, vielen Menschen aber nicht wirklich; das möge jedermensch für sich entscheiden. Ggf könnte es genügen, mögliche, denkbare Anlasse, Zusammenhänge, Ursachen zu erwähnen, mehr nicht. Vieles wird im Bereich von Interpretation, Konstruktion und Projektion gedachter Kausalitäten bleiben.

    Worauf es im im JETZT ankommt, ist: Wie gehe ich mit mir um, damit es mir besser geht? Wenn mir das gelingt, wird das eine Außenwirkung haben, andere Menschen anziehen, Verhalten und Systeme verändern, und anderen Menschen wird es mit mir besser gehen.

    Und: Ohne Begleitung erscheint mir dieser Weg ungleich schwieriger gehbar denn alleine. Wer sich einen Coach nicht leisten kann oder möchte, dem wünsche ich, dass er die Philosophie oder die Poesie entdeckt. Darin liegt mancher Schatz verborgen.

    1. Lieber Thomas,
      Ganz herzlichen Dank für Deine Gedanken und Anregungen! Du hast recht: Nur wer sich selbst ändert, also in diesem Zusammenhang seine Traumata auflöst und integriert, wirkt nach aussen und durchbricht die Kette.

      Herzbewegte Grüsse, Jutta

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